Volksoper: ASCHENBRÖDELS TRAUM – Ein schüchternes „Aschenbrödel“, doch quer und queer am 29.11.2025

Copyright: Wiener Volksoper
Zuerst einmal gesagt: „Aschenbrödels Traum“ ist nun in der Volksoper zu sehen, und das neue Aschenbrödel der Volksoper ist nun ein Burli. Ein schüchternes, alles andere als ein schrilles. Somit ist die queere Linie dieser uraufgeführten ‚Märchenoperette, inspiriert von Johann Strauss‘ vorgegeben. Diese trendige Thematik wird allerdings eher nur am Rand ausgekostet. Doch immerhin führt unser scheues männliches Aschenbrödel mit seinem bewunderten Idol Danny, Jungkicker mit Starqualitäten, den Schlusswalzer an.
Librettist und Regisseur Axel Ranisch hat quer durch Leben und Schaffen des Johann Strauss in seinem letzten Lebensjahr, mit Problemen bei der Komposition seines Fragment gebliebenen Balletts „Aschenbrödel“, einen schwer schrägen Keil geschlagen. Äußerst spielerisch versucht der Berliner Kreativ-Tausendsassa – Kurzfilme, Regisseur, Schauspieler, Schreiberling – dem Volksopernublikum zu erzählen, wie es anno dazumal in Wien zugegangen sein könnte. Munter wird auf stimmig gestalteter Bühne (lässig: Falko Herold) von einer Wien-Schablone zur nächsten gehüpft, kreuz und quer. Klar, ganz aus deutscher Sicht.
Hoppla, wen begegnen wir hier in all den flugs wechselnden kürzeren Episödchen? Den damaligen Hofoperndirektor Gustav Mahler, die so frech aufgedrehte Fußballmannschaft des Favoritner FC Wien (hatte es mal gegeben), einem hanslickschen Kritiker, einer kindlich-naiven Ballettlibretto-Autorin, lockeren Walzertänzern und einem netten Ballettpärchen. Und, und … ja, und auch klar, der über und über mit Gold beschmierte Walzerkönig, mit der Geige in der Hand, beglückt uns mit seinem selbstsicheren Auftreten. Und wir sehen ihn auch schließlich noch durchaus munter aus seinem Fledermaus-bewachten Sarg steigen. Ranisch lässt alle diese Einfälle sich so überpurzeln, so dass sich keine richtige Story entwicklen will. Was bleibt? So ein kaum übersichtliches richtiges Durcheinander, ein flottes Spitzbubenspielchen oder ein so ziemlich schwachsinniges Alt- und Neu-Wien – wie man es einzuschätzen vermag.
Als musikalische „Aschenbrödel“-Schöpferin wird die bayrische Filmmusikdame Martina Eisenreich angeführt. In ihrem Element gut beheimatet fügt sie wiederholt Johann-Strauss–Hits in ihr rhythmisch gefälliges Klangbett ein. Nicht gerade tief, doch immer wieder Impulse gebend. Dirigent Leslie Suganandarajha bezähmt dieses quer-queere Charivari, muss sich kaum um die Sänger kümmern – denn sängerisch, von dem in der Titelrolle sanft placierten Oliver Liebl angeführt, bleibt alles zumeist nur so irgendwie am Rande. Viel, viel besser ist da schon der optische Eindruck und die Regiearbeit, mit welcher Ranisch sein Ensemble aufzuputschen verstand. Sie überzeugen: Daniel Schmutzhard als der vergoldete Walzerkönig oder Ruth Brauer-Kvam und Johanna Arrouas in Aschenbrödels schriller Kinderstube. Und was passt wirklich besser in des Repertoire der Bundestheater: Dieses Zeitgeist-Aschenbrödel oder das von Hofkapellmeister Josef Bayer („Die Puppenfee“) vollendete „Aschenbrödel“-Ballett? Die musikalische Welt des Strauss Schani die ist nun einmal die weit, weit wertvollere.
Meinhard Rüdenauer

