WIEN – VILLA BEER: Neuer Star unter Wiens Architekturjuwelen
1130 Wien-Hietzing, Wenzgasse 12
Seit 8. März 2026 ist die sanierte Villa Beer in Wien Hietzing für die Öffentlichkeit im Rahmen von Führungen und Zeitfenstern von Mittwoch bis Sonntag zugänglich.
Die Anzahl der Besucher und Besucherinnen ist auf 120 Personen zeitgleich im Haus limitiert.
Tickets ab Ende Mai wieder verfügbar!
https://www.villabeer.wien/home

Die Villa Beer einst und jetzt!
© Villa Beer, https://www.villabeer.wien/das-haus/galerie
1929/30 wurde die Villa als Wohnhaus für die Unternehmerfamilie Julius und Margarete Beer nach Plänen der Architekten Josef Frank und Oskar Wlach in einem Jahr gebaut. Das Haus ist ein Schlüsselwerk der zweiten Wiener Moderne und steht seit 1987 unter Denkmalschutz.
Im April 2016 war das Haus auf Initiative des Architekturzentrums Wien für Interessierte an zwei Tagen geöffnet, aber es gab keinerlei Hoffnung auf Sanierung und Restaurierung. Die Rettung des Hauses ist einem glücklichen Zufall geschuldet.
Lothar Trierenberg, auf der Suche nach einem Büro auf der Wieden, wurde durch die Gedenktafel für Josef Frank am Haus Wiedner Hauptstraße Nr. 64 auf den Architekten aufmerksam. Diese Gedenktafel wurde zum 120. Geburtstag von Josef Frank am 15. Juli 2005 angebracht und hat ein kleines Wunder bewirkt.
Lothar Trierenberg begann über Josef Frank zu recherchieren und stellte fest, dass das Hauptwerk des Architekten in Wien, die Villa Beer, zum Verkauf stand. Zum Kaufpreis von fünf Millionen Euro kamen die Kosten für die Sanierung, an der sich der Altstadterhaltungsfonds der Stadt Wien und das Bundesdenkmalamt mit insgesamt 700.000 Euro beteiligten. Der Hauseigentümer lobt die Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt und den mehr als 30 an der Sanierung beteiligten Gewerken. Von den beim Bau beauftragten Firmen in den 30er-Jahren besteht heute nur mehr die Firma Füglister, die damals einen Lastenaufzug eingebaut hat.
Für die Sanierung konnte mit dem Architekten Christian Prasser ein ausgewiesener Experte für Bauen im Bestand gewonnen werden. Erhaltene Einbauelemente wurden mit großer Sorgfalt restauriert und ergänzt wie zum Beispiel Lichtschalter im 3D-Druck. Fünf Jahre dauerten Recherche und Restaurierung, wobei Fehler einer Sanierung im Jahr 2013 behoben werden mussten.


Speiseaufzug, Tragkraft 15 kg Viel Platz für künftige Publikationen!
© Dietrich-Schulz Foto: Dietrich-Schulz
Die Villa Beer soll kein klassisches Museum sein. „Besucher sollen sich wie Gäste fühlen“, so der Hausherr. Im Dachgeschoss wurden drei Gästezimmer eingerichtet, ausgestattet mit Möbeln von Svenskt Tenn nach Entwürfen von Josef Frank.
Die Villa Beer soll auch ein Ort der Forschung sein. Ein klimatisiertes Archiv und Seminarräumlichkeiten im Untergeschoss stehen bereit. Schwerpunkte der Forschung sind Architekturthemen und das jüdische Leben in den 1930er-Jahren.
Ein Großteil der Familie Beer konnte in die USA flüchten. Der leicht gehbehinderten Tochter Elisabeth wurde aber das Einreisevisum verweigert. Sie wurde von Wien nach Minsk deportiert und in Maly Trostinez ermordet. „Vergessene ins kollektive Gedächtnis zurückholen“ ist ein Ziel der Forschungen.
Über die Recherchearbeit im Zug der Restaurierung wurden Nachkommen der Familie Beer kontaktiert und vernetzt, sodass Fotomaterial aus Familienbesitz gesammelt und unter anderem durch ein Artist- und Research-in-Residence-Programm weiter erforscht werden soll.
Abschließend nochmals ein Hoch auf die Gedenktafel, die am Beginn der Rettung der Villa Beer gestanden ist. Vielleicht gibt es ein ähnliches Märchen für die Fassade des Hauses Lacknergasse 98 in 1180, die an den Architekten Josef Plečnik erinnert?!
Elisabeth Dietrich-Schulz

