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WIEN / Vienna’s English Theatre: KEY FOR TWO

15.05.2013 | Theater

 

   
Fotos: Reinhard Reidinger

WIEN / Vienna’s English Theatre:
KEY FOR TWO by John Chapman and Dave Freeman
Premiere: 15. Mai 2013,
Besucht wurde die Voraufführung

Es ist eine wohlfeile, weil allseits sattsam bekannte Tatsache, dass sich die Welt immer schneller dreht – und alles in rasendem Tempo veraltet. Theaterstücke und Filme kann man in Vor- und Nach-Handy bzw. Computerzeiten einteilen, manches – wie Woody Allen „Spiel’s noch einmal, Sam“ – ist gar nicht mehr spielbar, weil man in der Handy-Welt ja nicht mehr dauernd hinterlassen muss, wo man die nächsten fünf Minuten erreichbar ist…. Vienna’s English Theatre gräbt nun mit „Key for Two“ einen Klassiker des englischen Boulevards aus, der aus den frühen Achtziger Jahren – also dem England der Maggie Thatcher, Friede ihrer Unliebenswürdigkeit – stammt. In Wien hat man das Stück schon 1983, als es neu war, in der Kleinen Komödie gesehen.

Heute ist das Ganze geradezu historisch – eine Seitensprung-Farce, wo Ehefrauen den Gatten nicht mit dem Handy (womöglich noch mit Skype drauf!)  hinterher schnüffeln konnten… Und die schlechten wirtschaftlichen Zeiten unter der Eisernen Lady spielen gewissermaßen auch mit (obwohl die ja heute nicht unaktuell anmuten!): Harriet, die geschiedene Heldin, muss sich zwei Liebhaber „halten“, um mit deren Zuwendungen finanziell über die Runden zu kommen, und beide Herren, obwohl vermutlich nicht arm, jammern sehr darüber, zwei Haushalte bestreiten zu müssen. Womit auch gleich festgestellt ist, dass es hier durchaus in erster Linie um Geld und nicht um Liebe geht, und so herrschen auch keinerlei Bedenken, wenn alle gleich quietschvergnügt unmoralisch sind…

Die beiden Autoren des Stücks, John Chapman (der sich als Autor auch gerne mit Ray Cooney „paarte“) und Dave Freeman sind beide bereits tot, was ihre Stücke erst recht zu Klassikern macht – die Briten des 20. Jahrhunderts (Ayckbourn und Frayn kann man auch dazu rechnen) waren absolute Meister der Farce, oft durchaus auf der Höhe der Franzosen des 19. Jahrhunderts (à la Feydeau). Dabei geht es bis zur Pause noch einigermaßen gemütlich zu, denn Harriet hat sich ihre beiden Liebhaber schön eingeteilt, so dass sie sich nicht über den Weg laufen. Also scheint das einzige Problem die plötzlich auftauchende Freundin Anne zu sein, denn die Damen tun zwar freundlich, zicken aber stutenbissig herum. Dann kommt es, wie es kommen muss, aber die beiden Liebhaber laufen in derselben Wohnung (Terry Parsons hat mit den entzückenden Laura-Ashley-Blumenmustern ausgestattet) so aneinander vorbei, wie es nur virtuose Autoren schaffen…

Aber nach der Pause ist dann wirklich die Hölle los, wenn beide Herren da sind (jeder hält, dank den weiblichen Lügen, den anderen natürlich für jemand ganz anderen), aber auch beide (!) dazugehörige Ehefrauen erscheinen und zusätzlich noch Annes Exgatte dazu, der sturzbetrunken ist und eigentlich ein Auge auf Harriet geworfen hat…Wie all diese Figuren mit ultimativer Meisterschaft durcheinander gewirbelt werden, da kriegt man vor Lachen stellenweise kaum noch Luft.

Das dankt man auch der erforderten Virtuosität, die Regisseur Keith Myers (vermutlich mit Dompteur-Peitsche) erreicht hat, und einer Darstellerschar, die es wirklich bringt: Joy Brook als Rübensüßchen Harriet und Maxine Gregory, die ihr als „Freundin“ Anne an richtigen „falschen“ Tönen nichts schuldig bleibt, Robin Sebastian als der „feine“ und James Barron (köstlich!) als der grobschlächtige Liebhaber, Matthew Carter hinreißend im Suff, Alexis Caley als die mondäne und Lainey Shaw als die stur-bürgerliche Ehefrau (mit herrlichem Akzent).

Ein Klassiker fürwahr, bei dem man sich schieflachen kann.

Renate Wagner

 

 

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