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WIEN / Vestibül: DIE TIGERIN

29.09.2013 | Theater

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Foto: Georg Soulek / Burgtheater

WIEN / Vestibül des Burgtheaters: 
DIE TIGERIN
Nach dem Roman von Walter Serner
Premiere: 29. September 2013  

Es war eine durch und durch schräge Sache, die auf einer Mini-Drehbühne im Vestibül des Burgtheaters stattfand, und wer dergleichen mag, wird bestens bedient. Geboten wird eine urige Darbietung des Romans „Die Tigerin“ von Walter Serner. Serner (1889-1942, zugrunde gegangen in Theresienstadt), Journalist und Schriftsteller, war eng mit den Dadaisten verbunden, als er 1921 diesen seinen Roman schrieb, und das merkt man dem Werk an – inhaltlich wie sprachlich hochartifizielles Geblödel, das so amüsant wie absurd daher kommt.

Es geht um den Lebemann Fec, halb angehimmelt, halb als „Trottel“ abqualifiziert, und um die Lebedame Bichette, die als „ausschweifend, grausam, hinterlistig, ja oft niederträchtig und von einem unhemmbaren Hang zum Vagabondieren besessen“ beschrieben wird. Das Hin und Her des Paares zwischen Paris und Nizza ist ein Akt der Equilibristik, den Sarantos Zervoulakos adäquat umsetzte. Was sich schlicht „Fassung des Burgtheaters“ nennt, ohne einen Bearbeiter preiszugeben, dürfte wohl auf sein Konto gehen.

Betritt man den Nebenraum des Burgtheaters, das Vestibül, sind rund um einen sich drehenden Sarg drei Damen in Schwarz positioniert (Bühnenbild: Thea Hoffmann-Axthelm, herrlich exzentrische Kostüme: Lane Schäfer). Sie wissen offenbar alles über den toten Fec und seine „Tigerin“ Bichette, über das Hin und Her dieser Beziehung, die sicher nicht Liebe war, sondern ein Ping Pong der affektierten Emotionen. Und sie erzählen – mit verteilten Rollen, jede ist mal jeder, ob Fec, ob Bichette, ob die anderen. Und obwohl sie minimalen Bewegungsraum zur Verfügung haben (der Sarg ergibt wenigstens aufgeklappt ein Sofa, auf dem sie sich räkeln können), sind sie dauernd in Bewegung, miteinander, gegeneinander, in schier unglaublichem Tempo, das der Regisseur ihnen abverlangt.

Die herrlich attraktive Petra Morzé feuerte ironische Breitseiten ab, Dorothee Hartinger war für köstlich spitze Töne zuständig und Adina Vetter für laszive Hintergründigkeit – und außerdem jede für alles.

Allerdings sind 95 Minuten unaufhörliches Staccato fast zu viel, als Zuschauer rutscht da immer wieder die Konzentration ab, den Damen passierte es gegen Ende aicj einmal, aber gerade daran ermaß man, welch ultimativ virtuose Meisterleistung sie angeboten haben. Das Publikum war nicht nur amüsiert, sondern auch angemessen beeindruckt.

Renate Wagner

 

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