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WIEN / Theatermuseum: STEFAN ZWEIG

03.04.2014 | Ausstellungen

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Fotos: Theatermuseum

WIEN / Österreichisches Theatermuseum: 
STEFAN ZWEIG – ABSCHIED VON EUROPA
Vom 3. April 2012 bis zum 12. Jänner 2015 

 

Chronist der „Welt von gestern“

Stefan Zweig (1881–1942), einer der Großen unter Österreichs Dichtern, starb in weiter Ferne. Er setzte gemeinsam mit seiner Frau im brasilianischen Exil seinem Leben ein Ende, weil er die Hoffnung auf Heimkehr aufgegeben hatte. Um Zweigs Jahre des Exils nach seinem „Abschied von Europa“ geht es hier, „Wir brauchen einen ganz anderen Mut!“ lautet der Untertitel der Ausstellung im Theatermuseum, für die es keinen Jahrestag gibt, es sei denn, man betrachte alles, was in Europa geschah (und an Bösem geschah), als Folge des Ersten Weltkriegs, der heuer unser Thema ist.

Von Heiner Wesemann

Stefan Zweig     Geboren am 28. November 1881 in Wien in eine Welt jüdischen Großbürgertums, war Zweig der Inbegriff des umfassend gebildeten, umfassend interessierten Europäers. Sein Talent erzeugte gleicherweise Literarisches wie Feuilletonistisches, bis heute werden seine Biographien über „Maria Stuart“ und „Marie Antoinette“ ebenso gelesen wie seine Geschichtsbetrachtungen („Sternstunden der Menschheit“), seine Romane und Erzählungen. Wie viele Juden der Monarchie und Habsburg treu verbunden, leistete er im Ersten Weltkrieg seinen Militärdienst (wenn auch im Kriegspressequartier).

Immer rechtzeitig emigriert?   Stefan Zweig, der nach dem Ersten Weltkrieg in Salzburg lebte, rühmte sich, die Zeichen der Zeit immer erkannt zu haben. Schon 1934 verließ er Österreich, weil er ahnte, dass die Machtergreifung der Nationalsozialisten auch auf seine Heimat übergreifen würde. Dass er nicht im Londoner Exil blieb, sondern 1940, nach Hitlers Überfall auf Frankreich, nun auch England verließ (immer in dem Bestreben, „nicht diesem braunen Burschen in die Hände zu fallen“), besiegelte sein Schicksal der Emigration. Über New York kam er nach Südamerika, erst „zu Vorlesereisen, die ich nicht mag“. Er ließ sich in Brasilien, in Petropolis, nieder, einem Vorort von Rio de Janeiro, wo es ein Königsschloß gibt, in dem einst die Habsburgerin Leopoldine als Kaiserin von Brasilien gelebt hat… „Werde ich je zurückkehren können?“ sinnierte er. Er konnte nicht. Zweig verlor das Vertrauen, dass die Deutschen den Krieg verlieren könnten. Am 22. Februar 1942 beging er, 60 Jahre alt, gemeinsam mit seiner Frau Lotte Selbstmord. Ihr Doppelgrab ist noch heute am Friedhof des Ortes zu besichtigen.

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Das Haus und das Grab in Petropolis

Immer im Aufbruch    Die Ausstellung im Theatermuseum ist in den beiden Räumen im Erdgeschoß eingerichtet. Kuratiert von Klemens Renoldner, dem Direktor des Salzburger Stefan Zweig-Zentrums, ist Gestalter Peter Karlhuber eine eindrucksvolle Umsetzung gelungen, wenn im rechten Raum etwa lauter „Umzugskartons“ stehen, die das Wesen des steten Aufbruchs vermitteln, dazu aufgerollte Teppiche, leere Bilderrahmen – als Gleichnis so eindrucksvoll wie beklemmend. Im linken Raum, dessen Boden ein Schachbrettmuster ziert, beherrscht ein Modell des „Hotel Metropol“ das Geschehen, jene Gestapo-Zentrale, vor der Zweig floh, um anderswo ein Opfer der Nazis zu werden, das er aber  zum Schauplatz seiner „Schachnovelle“ machte. An den Wänden hängen die schwarzen Ledermäntel der SS-Männer…

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Der Sammler     Die Autographensammlung von Stefan Zweig, der ein „glücklicher Sammler“ war und sich von seinen Besitztümern auf dem Weg ins Exil trennen musste, gelangte an die Nationalbibliothek, aus Freundschaft zu Joseph Gregor, einer doch eher zwielichtigen Persönlichkeit, der auch Schnitzlers Bibliothek nach der Emigration von dessen Sohn „rettete“. Diese wurde allerdings nach der Rückkehr von Heinrich Schnitzler zurückgegeben – Stefan Zweig kam nicht wieder. Was Zeitgenossen ihm überlassen haben, was er selbst beifügte, es ist nun hier erhalten, und viel Handschriftliches ziert die Ausstellung, Kostbares von Mann und Roth, Kafka und Schnitzler… er befand sich in guter Gesellschaft.

„Die Welt von gestern“ und „Die Schachnovelle“   Zwei singuläre Meisterwerke von Zweig, die in der Emigration entstanden sind, werden in der Ausstellung besonders beachtet. „Die Welt von gestern“ ist sein genial formulierter Blick zurück auf die Monarchie, wie er sie erlebte. Später manchmal als „beschönigend“ kritisiert, zeichnete Zweig doch „seine“ Welt auf das Überzeugendste: Die brasilianische Ausgabe, die man in der Ausstellung sieht, heißt denn auch „Die Welt, die ich gesehen habe“. Die „Schachnovelle“ als psychologisches Meisterwerk (mit starker politischer Implikation – der Held befindet sich in einer Zelle im Hotel Metropol) hat zu Zweigs ewigem Ruhm ebenso beigetragen.

Der Dramatiker Zweig     Ein Theatermuseum muss sich natürlich auch dem Dramatiker Stefan Zweig widmen, der allerdings weitgehend vergessen ist – von seinem frühen Drama „Jeremias“ bis zu seinen späten Komödien. Nur „Die schweigsame Frau“, die er als Libretto für Richard Strauss schrieb, reüssiert in Grenzen bis heute auf den Bühnen. Es handelte sich um eine Bearbeitung von Ben Jonson, ebenso wie Zweigs noch immer gelegentlich gespielte „Volpone“-Fassung.

csm_12_Zweig_Die_schweigsameFrau_Richard_Strauss_54944fa082   Stefan Zweig Katalog 
Manuskript der „Schweigsamen Frau“  /  Katalogbuch

Katalog und Filme   Ein wahres Kompendium zu Zweig ist das Begleitbuch der Ausstellung, „Stefan Zweig. Abschied von Europa“, Brandstätter Verlag. Nicht direkt ein Katalogbuch zur Ausstellung, umfasst es das Thema der Exiljahre so ausführlich wie gründlich. In der Ausstellung laufen Filme, die  Zweig selbst zeigen. 

Österreichisches Theatermuseum im Palais Lobkowitz.
Bis 12. Jänner 2015, täglich außer Montag 10 bis 18 Uhr

 

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