Theater „Die neue Tribüne“: Ja, der Gerhard Ernst – das sind noch Wienerlieder!17.11. 2025
Die schlecht kalkulierenden Politiker der Stadt Wien treiben mit ihren finanziellen Problemen im kommenden Jahr für die Bürger einige Gebühren ziemlich massiv in die Höhe. Dafür sind im Kulturbereich recht ordentlich Kürzungen angesagt. Eher nicht bei den nach wie vor üppig subventionierten und gegen frühere Jahrzehnte gar nicht mehr so beliebten Wiener Festwochen, sondern …. na ja, bei den Kleinen. Die in vergangenen Zeiten so geschätzten Kellertheater oder die nun von Musikmann und Kinderprogramme-Spezialist Gernot Kranner übernommene Freie Bühne Wieden dürften dies zu spüren bekommen. Jedenfalls heißt es noch abwarten und sich auf Einschränkungen gefaßt machen.

Gerhard Ernst. Copyright: Ernst
Stark eingeschränkt hat sich längst schon die Hinwendung zum historischen Wienerlied. Ernst Molden bemüht sich auf neuem Weg – doch eine frühere, die letzte Garde ist verschwunden. Wen finden wird noch, der Altwienerisches, die g´schmackigen Lieder des Hermann Leopoldi oder den „G´schupften Ferdl“, das „Taubenvergiften“ so mitreißend vortragen kann? Nun, runter in den Keller des Café Landtmann – floriert und geht sicher nicht unter – und sich aus der Garde der früheren Burg-, Josefstadt- und Volksoperncharaktere den Gerhard Ernst angehört. Schon zu kommod macht er sich´s. Locker, locker. Doch wie er sich, vom sanft swingenden Béla Fischer am Klavier begleitet, durch das frühere Wien schlängelt – das ist einfach perfekt und unübertrefflich stimmig. Fehlt vielleicht doch etwas …. ? Die eigene Kreation, sein persönliches Statement? Nun, dieses ist das heutige Wien-Problem: Solch eine schöpferische Gnade, welche einstmals einem Johann Strauss gegeben war, ist der Wienerstadt so ziemlich verloren gegangen. Der hoch subventionierte „Johann Strauss 2025 Wien“-Event zeigt dies gerade in aller Deutlichkeit auf.
Meinhard Rüdenauer

