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WIEN / Theater der Jugend: DON GIL VON DEN GRÜNEN HOSEN

28.03.2014 | Theater

Theater der Jugend / DON GIL VON DEN GRÜNEN HOSEN
Fotos: Theater der Jugend / Rita Newman

WIEN / Theater der Jugend im Renaissancetheater: 
DON GIL VON DEN GRÜNEN HOSEN von Thomas Birkmeir
nach einer Komödie von Tirso de Molina
Uraufführung
Premiere:  27. März 2014 
Besucht wurde eine Voraufführung

Sieht man ins Publikum, so sitzen da nahezu ausschließlich Halbwüchsige, die mit ihren iPhones und iPads verwachsen scheinen. Wollte man ihnen eine spanische Komödie aus dem frühen 17. Jahrhundert vorsetzen, womöglich mit Fächern und Kastagnetten, was fingen sie damit an? Aber der ewige Kampf der Geschlechter, den begreifen sie (teils wohl schon aus eigener Erfahrung), und solcherart ist es legitim, dass Thomas Birkmeir das Stück für das von ihm geleitete Theater der Jugend bearbeitet und in die Gegenwart versetzt hat – so sehr, dass er für diesen „Don Gil von den grünen Hosen“ als Autor „nach Tirso de Molina“ gelten darf. (Dass er sich dafür ein Extra-Riesenhonorar bezahlt, ist angesichts der Budgetverhältnisse seiner Institution wohl nicht zu befürchten. Die Millionen rollen anderswo.)

Nun wird sich ein Mädchen heute wohl nicht als Mann verkleiden, um hinter dem untreuen Liebhaber herzuhetzen, und es wird auch keinen Diener haben, den sie (bei Birkmeir) gar in Nonnentracht steckt, um bei der Intrige mitzuspielen. Aber die Unwahrscheinlichkeiten machen dem Publikum nichts aus, denn sie erkennen die Figuren, die wie sie selbst sprechen und auch denken – die Zicke Ines etwa, die so schön und reich ist und die arme hässliche Clara quält. Oder die schon bei Tirso eher hilflos gezeichnete Männerwelt – ja, im gottesfürchtigen, patriarchalischen Spanien wurde eine Komödie über die Selbständigkeit und Entschlusskraft der Frauen geschrieben. Wenn da nicht ein Dichter die Nase vorn gehabt hat…

Wenn sich alle lächerlich machen und auch charakterlich ziemlich desavouieren, kann es bei Birkmeir logischerweise nicht zu den allgemeinen Happyends kommen, die man bei der Komödie sonst gewohnt ist, aber das macht nichts: Dem Spaß tut es keinen Abbruch. Das originale Stück kennt man nach dieser Aufführung zwar nur andeutungsweise – aber die grünen Hosen sind zumindest geblieben.

Als Regisseur fegt Thomas Birkmeir sein Ensemble mit einem Tempo über die Bühne, wie er es nur dank einer exzellenten Besetzung tun kann: Wieder einmal soll man sich von dem Begriff „Theater der Jugend“ nicht verwirren lassen, das hat „Erwachsenen“-Niveau (abgesehen davon, dass man der Jugend ja grundsätzlich nur das Beste bieten soll). Iréna Flury ist eine köstliche verletzte, wütende, entschlossen den Liebhaber jagende Juana, aber die anderen Damen – Claudia Kottal als Temperamentsbombe Ines, Felicitas Franz als hässliche Clara, fast ein Schicksal – stehen um nichts nach.

Theater der Jugend / DON GIL VON DEN GRÜNEN HOSEN  Theater der Jugend / DON GIL VON DEN GRÜNEN HOSEN

Und die Herren? Johannes Gaan ist der eitle Liebhaber Ramón, Markus Schöttl sein intriganter Gefährte Osorio, der am Ende schwule Gelüste gesteht, Florian Stohr als Don Antonio ein noch lächerlicherer Liebhaber und Horst Eder als Don Pedro ein Vater, dem man nachfühlt, dass er seine lästige Tochter nur loswerden will. Sobald Lukas Sartori als Diener Camino in die Nonnentracht schlüpfen darf, beherrscht er die Szene, sobald er auftritt.

Der zweieinhalbstündige Abend mag nur eine Schwäche haben – dass er in seinem halsbrecherischem Tempo, in seiner lautstarken Pointenjagd, in seiner sich überstürzenden absurden Komik am Ende zu einförmig wird. Man kommt bei solchem Dauerbeschuss gar nicht mehr zum Denken oder Durchatmen, so dass man innerlich nur immer wieder abschalten muss – zu intensiv! Aber für die heutige Jugend ist das wahrscheinlich das Pendant zum Action-Film im Kino. Es wurde jedenfalls viel gelacht und viel geklatscht.

Renate Wagner

 

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