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WIEN / Theater an der Wien: THE TELEPHONE / LA VOIX HUMAINE

19.02.2013 | Oper

WIEN / Theater an der Wien: 
THE TELEPHONE OR L´AMOUR Á TROIS von Gian Carlo Menotti  
LA VOIX HUMAINE von Francis Poulenc
19. Februar 2013  

Es war ein kurzer, aber interessant programmierter und auch gut besuchter Abend „zwischendurch“ im Theater an der Wien. Das verbindende Thema zweier Kurzopern, eine komisch, eine tragisch, war das Telefon. Und da man im wunderbar-schrecklichen bürgerlichen Wohnzimmer der Comtesse Adèle aus „Le Comte Ory“ spielte, war es nicht einmal „Oper konzertant“, zumindest im ersten Teil. Da kamen Jennifer Davison und Klemens Sander kostümiert und spielten die vergnügliche halbe Stunde, in der Gian Carlo Menotti mit „The Telephone, or l´amour á trois“ schon 1947 jenen Menschen einen Einakter gewidmet hat, denen man heute täglich in den Öffis begegnet – den krankhaft Telefonsüchtigen.

Menotti, der dieses kleine Stück schrieb, um sein ebenfalls nicht abendfüllendes „Medium“ zu ergänzen, macht sich über jene Lucy lustig, die einfach nicht dazu kommt, sich von Ben live einen Heiratsantrag machen zu lassen, weil das Telefon ununterbrochen läutet und sie Dummes schnattern muss. Ohne die Hilfe eines Regisseurs entledigten sich die beiden Interpreten ihrer Aufgabe ungemein lebendig – vor allem die Töne der Sopranistin stachen lustig und locker in die Ohren…

Nach der Pause war Angelika Kirchschlager leider nicht so weit gekommen, den Part der Frau in „La voix humaine“ von Francis Poulenc so weit zu lernen, dass sie ihn auch hätte spielen können – und das war schade. Denn diese lyrische Tragödie nach dem herzzerreißenden Monolog von Jean Cocteau sollte eigentlich als „Dialog“ einer Frau mit dem „kalten“ Telefon vermittelt werden und nicht mitten auf der Bühne stehend, den Blick in den Klavierauszug geheftet.

Natürlich kam immer noch viel heraus, die Stimmungsschwankungen der Verlassenen zwischen lauter Verzweiflung und stiller Verstörtheit, und die Kirchschlager mit ihrem hellen, modulationsfähigen und ausdrucksstarken Mezzo konnte auch dastehend viel vermitteln. Aber die beiden Kollegen haben vor der Pause gezeigt, dass noch ein bisschen mehr drinnen gewesen wäre…

Stefan Vladar leitete das Wiener KammerOrchester, und es mutete nur „dramaturgisch“ ein wenig seltsam an, dass der erste Satz der Sinfonietta FP 141 von Francis Poulenc (auf die drei weiteren Sätze wurde verzichtet, obwohl auch sie den Abend kaum zu lang gemacht hätten…), vor dem Menotti und nicht vor dem Poulenc gespielt wurden. Da hätte man ihn eigentlich auch ganz weglassen können.

Ein Teil des Publikums war wohl gekommen, um Angelika Kirchschlager wieder einmal zu sehen, die sich in Wien so rar macht – man muss bis „Capriccio“ im Juni warten, um ihr wieder einmal auf der Staatsopernbühne zu begegnen. Vielleicht hat das Theater an der Wien in nicht allzu weiter Ferne eine Aufgabe à la Lucretia für sie?

Renate Wagner

 

 

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