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WIEN / Theater an der Wien: SOLOMON

28.03.2013 | Oper

WIEN / Theater an der Wien:  
SOLOMON von Georg Friedrich Händel
Konzertante Aufführung
27. März 2013   

Unter den großen Oratorien Georg Friedrich Händels ist „Solomon“ aus dem Jahre 1749  gewiss eines der prächtigsten. Das liegt vor allem am ausufernden Einsatz der Chöre, abgesehen von der großen Titelrolle, die in allen drei Akten dominiert. Sie wurde übrigens bei der Uraufführung von einer Mezzosopranistin gesungen – die Aufführung im Theater an der Wien, anlässlich des „OsterKlangs“, hat sich für die Besetzung mit einem Countertenor entschieden.

Vom Libretto her ist „Solomon“ eine geradlinge „Jubel“-Geschichte. Im ersten Akt weiht der große biblische König den Tempel ein und zeigt sich als liebender Ehemann seiner Gattin. Im zweiten Akt wird das berühmte „salomonische Urteil“ gezeigt, und nur in den widersprüchlichen Anklagen der beiden Mütter bricht etwas Dramatik auf. Im dritten Akt kommt die Königin von Saba zu Besuch, aber da geht es nicht um Sex, sondern nur um die gegenseitige Würdigung zweier Herrscher. Gegen Ende hat der Choral „Praise the Lord“ nahezu dieselbe mitreißende Wirkung wie das „Hallelujah“ aus dem „Messias“…

Für den erkrankten Martin Haselböck wurde in dem 35jährigen Briten Matthew Halls ein wirklich vorzüglicher Ersatz gefunden. Selten hat man einen so wunderbar „leichten“ Händel gehört, wie er ihn mit der Wiener Akademie realisierte, besonders sorglich auch in der Ausarbeitung von instrumentalen Feinheiten der Musik. Der Chorus sine nomine schmetterte seine durchwegs strahlenden Passagen (oft noch von dem triumphierenden Klang der Barocktrompeten und dramatischem Trommelwirbel begleitet) einfach brillant.

Franco Fagioli unterscheidet sich von anderen  Countertenören, weil er im Grunde zwei Stimmen hat – einen hellen Tenor und den darüberliegenden Altus. Dadurch klingt seine Stimme nicht so „fremd“ wie die mancher Kollegen, sondern kann sogar als schön empfunden werden. In der Rolle des Solomon hat er nicht nur Prunkarien, sondern auch Duette mit dem Sopran und dem Chor, und man bewunderte den ausdrucksvollen Gestalter.

An sich sollten Solomons Gemahlin und die Königin von Saba von zwei Sopranen gesungen werden, doch eine der Damen kam abhanden. So hat die slowenische Sängerin Bernarda Bobro mit klarem, hellem, leichtem (nur manchmal ein bisschen zu dünnem) Sopran beide Rollen übernommen und überzeugend interpretiert.

Zwei junge Österreicherinnen sangen die rivalisierenden Mütter, Agnes Scheibelreiter lyrisch, Ida Aldrian kämpferisch dramatisch. In den männlichen Nebenrollen hörte man den Tenor James Oxley und den Bariton Günter Haumer, zwei schön geführte Stimmen.

Am Ende gab es verdienterweise das, was man im Theater an der Wien den „Händel-Beifall“ nennen kann – jenen, der besonders stark ausfällt.

Renate Wagner

 

 

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