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Wien/ Theater an der Wien: PEER GYNT von Werner Egk. Premiere

17.02.2017 | Oper

Werner Egk – PEER GYNT – Theater a.d. Wien / Premiere 17.2.2017

(Heinrich Schramm-Schiessl)

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„Die Rothaarige“. Copyright: Werner Kmetitsch/ Theater an der Wien

Werner Egk ist – ob seiner Tätigkeit während der Zeit des Nationalsozialismus – ein nicht ganz unumstrittener deutscher Komponst, der in den Jahren zwischen 1933 und 1963 eine Reihe von durchaus attraktiven Opern geschrieben hat, die speziell in Deutschland bis in die 80er-Jahre auf den Spielplänen präsent waren. Besondere Popularität erlangten hier „Die Zaubergeige“ und „Der Revisor“. Letzerer wurde im Jahr 1958 auch von der Staatsoper im damals von ihr bespielten Redoutensaal der Hofburg in den Spielplan genommen und brachte es auf insgesamt 14 Vorstellungen. Dirigiert hat Rudolf Kempe und es war das Wien-Debut von Gerhard Stolze. Ein weiteres seiner Werke – „Irische Legende“ – wurde 1955 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt. Als sein Hauptwerk gilt trotzdem „Peer Gynt“, eine Oper nach dem Drama von Henrik Ibsen, das gerne als der „nordische Faust“ bezeichnet wird.

Das Libretto, welches das Drama Ibsens auf eine Spielzeit von rund 2 ½  Stunden verknappt, wurde von Egk unter Verwendung der Übersetzung von Ludwig Passarge selbst verfasst. Er liess einige Szenen des Dramas weg, verlegte andere an einen anderen Ort und erfand sogar Neues dazu. Im Gegensatz zur Vielschichtigkeit der literarischen Vorlage reduzierte Egk das Stück auf den Konflikt zwischen der Welt der Trolle und der guten Welt der Solveig. Die Musik ist durchaus abwechslungsreich. Es gibt ebenso lyrische Szenen wie kraftvolle Orchesterpassagen mit zum Teil wilden Elementen. Egk versteht es auch mit Klangfarben zu spielen und verfügt über eine gewisse Theaterpranke. Allerdings muss man auch feststellen, dass er einige Anleihen bei anderen Komponisten – Weill und Krenek lassen stellenweise grüssen – nimmt.

Es ist nun durchaus verdienstvoll vom Theater a.d. Wien, dass es dieses Werk bringt. Das sind nämlich die Werke, die man in diesem Haus spielen sollte – eher unbekannt und eigentlich nicht für ein Repertoirehaus geeignet – anstatt Opern, die in einem oder manchmal sogar beiden anderen Opernhäusern der Stadt ohnehin am Spielplan stehen. Im Mittelpunkt des Interesses stand natürlich die Inszenierung von Peter Konwitschny und ich muss sagen, dass ich angenehm überrascht war. Er hat zwar das Werk – fast könnte man sagen no na – in die Gegenwart transferiert, was bei diesem Werk aber weniger stört, weil die Geschichte an sich zeitlos ist. Aber er hat diese Geschichte weitestgehend erzählt, wie sie im Libretto steht und nicht einfach eine neue erfunden. Natürlich hat er seinen Wertekatalog abgearbeitet, denn ohne Kapitalismuskritik geht es bei ihm nicht. Diese wird am anschaulichsten in der Szene bei den Trollen, die hier in einem Kaufhaus während des Schlussverkaufs spielt. Natürlich fehlen auch Elemente des zeitaktuellen Theaters nicht, wie z.B. der Umstand, dass er die Rollen der Solveig und der Rothaarigen von der selben Sängerin singen läasst. Denn das moderne Theater geht ja grundsätzlich davon aus, dass der Mann die Frau nur aus zwei Blickwinkeln sieht, als Heilige und als Hure. Insgesamt zeichnet sich die Inszenierung durch eine sehr präzise Personenführung aus, auch wenn es einige Dinge gibt, die überflüssig erscheinen. So ist nicht verständlich, warum Solveig von Anfang an blind ist – die Erklärung im Programmheft fällt eher unbefriedigend aus -,  weshalb Aase am Ende des 1. Bildes mit einer Maschinenpistole auf die Bühne kommt und wieso das letzte Bild nicht wieder in Peers Hütte, sondern in einem Altersheim spielt. Zudem brechtelt es im 8. Bild ganz gewaltig. Die Bühnenbilder von Helmut Brade sind unterschiedlich. Es ist zwar sehr erfreulich, dass es nicht den heute sehr oft üblichen Einheitsrahmen gibt, aber sehr stimmungsvolle Bilder, wie die Hochzeitsszene, die Szene vor Peers Hütte oder die Szene am Bahnhof wechseln sich mit sehr grellen Szenen – wie die oben bereits erwähnte Kaufhausszene – oder einer Plattenbauästhetik ab. Die Szene in Südamerika mit Peers Schiff erinnert etwas an Comic-Strips. Ähnliches gilt für die ebenfalls von Brade entworfenen Kostüme.

Sehr erfreulich war die musikalische Seite, zumindest was die Sänger betrifft. Bo Skovhus sang die nicht ganz einfache Titelrolle nach anfänglicher Nervosität mit schön geführter kräftiger Stimme und war auch darstellerisch mit sehr viel Engagement bei der Sache. Maria Bengtsson kam sowohl mit der Rolle der Solveig als auch der Rothaarigen gut zurecht. Ihre Stimme klingt sehr schön und besitzt eine sichere Höhe. Wünschenswert wäre ein etwas persönlicheres Timbre. Rainer Trost sang den Alten sehr eindrucksvoll, allerdings hätte man sich etwas mehr Persönlichkeit gewünscht. Stefan Cerny lieh sowohl dem Präsidenten als auch dem Unbekannten seinen gut klingenden Bass und Natascha Petrinsky ließ als Aase einen wohlklingenden Mezzo hören. Allen übrigen Mitwirkenden gebührt ein Pauschallob.

Leo Hussain, einer der von den Medien ziemlich gepushten „Jungstars“ unter den Dirigenten, hat das Werk mit dem sehr gut spielenden RSO Wien sicher sehr sorgfältig einstudiert. Allerdings haperte es etwas bei der Umsetztung. Da klang manches ziemlich knallig und wenig differenziert und nur wenige Stellen berührten wirklich. Gut auch der von Erwin Ortner einstudierte Arnold Schönberg-Chor.

Das Publikum, an den Schlüssen der Bilder noch etwas zögerlich applaudierend, war am Ende doch zufrieden und bejubelte alle Beteiligten.

Heinrich Schramm-Schiessl

 

 

 

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