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Wien/ Theater an der Wien: OTELLO von Rossini mit großartiger Desdemona

24.02.2016 | Oper

Otello“ von Gioachino Rossini im Theater an der Wien am 23. Februar 2016

Rossinis Otello-Rarität mit einer großartigen Desdemona-Einspringerin

Das Ereignis des Abends war die, für die erkrankte Nino Machaidze eingesprungene junge Spanierin Carmen Romeu. Während Machaidze auf der Bühne agierte, sang Romeu aus dem Orchestergraben. Ihr gelangen nicht nur die Koloraturen mit Bravour, sondern auch die Passagen der Tiefe. Man kann nur hoffen, diese beeindruckende Interpretin bald wieder in Wien zu sehen. Die Tenöre John Osborn (Otello), Maxim Mironov (Rodrigo) und Vladimir Dmitruk (Jago) lieferten ein wahres Belcanto-Feuerwerk ab. Einem gelangen die unglaublichen Koloraturen besser als dem anderen. Herrlich! Ausdruckstark sang Fulvio Bettini Desdemonas Vater Elmiro. Dafür, dass Gaia Petrone ebenfalls als krank angesagt wurde, meisterte sie ihren Part dennoch zumindest darstellerisch überzeugend.

Für magische Momente sorgt Regisseur Damiano Michieletto im ansehnlichen Bühnenbild von Paolo Fantin. An der Wand hängt das Bild eines toten Liebespaares. Die beiden Figuren des Bildes treten im Laufe des Abends hin und wieder als Menschen auf. Berührend ist es, wenn Otello und Desdemona gegen Schluss einmal die gleiche Position einnehmen, wie die Liebenden im Bild über ihnen. Grandios verläuft das Finale des ersten Aktes, wenn sich das ganze Ensemble im Schlamm suhlt und Jago mit Dreck „OTELLO“ an die Wand schmiert. Das Ende ist nachhaltig. Desdemona erschießt sich selbst, während sich hinten ihre abgrundtief böse Schwester Emilia mit dem homosexuellen Rodrigo verlobt. Die Kostüme von Carla Teti passen sich hervorragend dem Konzept an. Schlicht und realistisch, aber trotzdem sehr ansehnlich. Ständig in Veränderung ist das Licht von Alessandro Carletti.

Die Wiener Symphoniker spielten unter Maestro Antonello Manacorda nicht immer ganz präzise, doch stets klangschön.

Der Arnold Schoenberg Chor unter der Leitung von Erwin Ortner war wie immer bestens einstudiert.

Begeisterter Applaus, in dem sich auch für Carmen Romeu unzählige Bravos einfanden. Die glückliche Sopranistin nahm diese mit Freuden entgegen.

Fazit: Ein Rossini-Abend der trotz Krankheiten ohne Einschränkungen überzeugte und an dem man eine vortreffliche junge Sängerin entdecken durfte.

Sebastian Kranner

 

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