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WIEN/ Theater an der Wien: LA VESTALE von Gaspare Spontini- 4. Vorstellung der Serie

Die Brücke von irgendwo nach nirgendwo

23.11.2019 | Oper

Gaspare Spontini: La Vestale, Theater an der Wien, Wien, Vorstellung: 23.11.2019

 (4. Vorstellung seit der Premiere am 16.11.2019)

Die Brücke von irgendwo nach nirgendwo

Regisseur Johannes Erath erklärt im Programmheft, die stilistische Brücke des Werks (zwischen der Opera seria Glucks und der Grand Opéra) wichtig zu finden. «In Napoleons Zeiten wurden die Insignien aus dem römischen Reich übernommen, womit man, finde ich, relativ einfach auch eine Brücke ins Heute bauen kann. Schlussendlich funktionieren viele Machtstrukturen noch ähnlich.» Die im Stück durchaus vorhandenen Brücken, oder Parallelen der Zeiten, gehen hoffnungslos im Aktionismus auf der Bühne unter. Die wohl als Verfremdungseffekt eingesetzten Bühnenarbeiter, die immer wieder die Bühne queren oder die Nackte im Bassin tragen wenig zum Verständnis bei. Katrin Connans Bühne ist zudem von einer fragwürdigen Ästhetik geprägt. Als Altar für die hellblaue Madonnenfigur dient ein rosa Schminktisch oder alternativ ein Beauty Case. Sinn und Zweck des fast bühnenfüllenden Wasserbassins erschliessen sich schon nicht, aber das Geräusch des abfliessenden Wassers muss dann nicht auch noch deutlich vernehmbar sein. Jorge Jara hat bei der Kreation des Kostüms des Souverain Pontife, den man ja durchaus als katholischen Würdenträger sehen kann, aus Versehen violett (Bischof) und rot (Kardinal) kombiniert. Das heutzutage wohl, Sinn hin oder her, obligatorische Video stammt von Bibi Abel, die recht aggressive Lichtgestaltung von Bernd Purkrabek. Die Intention der Inszenierung, das Aufzeigen der zeitlichen Parallelen gerade was die Machtstruktur angeht, wird nicht klar: die Brücke führt vom irgendwo ins nirgendwo.

Bildergebnis für theater an der wien la vestale

 Foto: Werner Kmetitsch/ Theater an der Wien

Den Abend mehr als gerettet haben die Wiener Symphoniker unter Bertrand de Billy. Bestens disponiert gelingt es den Charakter als Werk der Zeitenwende herauszuarbeiten und die Partitur in ihrer ganzen Pracht erklingen zu lassen. Besonders gelingen die Ballettmusiken.

Ganz hervorragend agiert der von Erwin Ortner vorbereitete Arnold Schönberg Chor.

Elza van den Heever kann trotz intensivem Spiel als Julia nicht überzeugen. Die spielerische Gestaltung der Rolle lässt den Zuschauer kalt, die Stimme wird, sobald sie den Piano-Bereich verlässt, stechend schrill und scharf. Claudia Mahnke singt eine gute Grande Vestale. Michael Spyres bleibt als Licinius phasenweise arg blass. Sébastien Guèze als Cinna überzeugt mit sauberer Gestaltung. Franz-Josef Selig gibt den Souverain Pontifie mit klangvollem Bass. Dumitru Mădărăşan und Ivan Zinoviev ergänzen das Ensemble als Chef des Aruspices und Consul.

Weitere Aufführungen: 25.11.2019 und 27.11.2019 jeweils 19.00.

24.11.2019, Jan Krobot/Zürich

 

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