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WIEN/ Theater an der Wien: LA CALISTO – frivol, frivol, und doch ein Stern am Himmel

19.09.2026 | Oper in Österreich

Theater an der Wien: „La Calisto“ – frivol, frivol, und doch ein Stern am Himmel

(19.9.2026)

La Calisto – Barockoper zwischen Liebe und Verwandlung

Ganz sicher, ein toller Komponist: Francesco Cavalli, 1602 – 1676. Kein so bekannter Name, doch als Kapellmeister der Markuskirche in Venedig hat er nicht nur geistliche Musik komponiert sondern in der Reihe der frühen venezianischen Oper des 17.Jahrhunderts manch szenisches Gustostückerl hinterlassen. „La Calisto“ zählt zu diesen Meisterwerken. Heute nur gelegentlich auf einer Bühne zu sehen, verblüffen die melodische Substanz wie auch eine sinnlich-erotische Handlung. Stefan Herheim, der norwegische Hausherr im Theater an der Wien, hat in seiner aktuellen Inszenierung für sechs Abende (als eine Koproduktion mit der Berliner Staatsoper Unter den Linden) den ätherischen Klangzauber zur Seite geschoben, trumpft mit einem völlig auf parodierende Frivolität setzenden Komödienspiel auf. Aufgehend in der Mythologie, diese rein ironisch deutend: Die der Keuschheit verschriebene Calisto, eine Nymphe der Diana, ist schwerst in diese verliebt. Jupiter, seiner Gattin Juno eher überdrüssig, verwandelt sich in Diana, um in falscher Gestalt die liebestolle Calisto zu verführen. Und Linfea, eine andere Nymphe, oder der schmachtende Hirte Endimione … kennen wir uns da im historischen LGBT noch aus?

In einem effektvollen Mummenschanz, gelegentlich mit einem Holzhammer gezimmert, gehen all diese Begierden auf. Dirigentin Christina Pluhar mit ihrem Ensemble L’Arpeggiata muss sich bei der musikalischen Deutung himmlischer Ethik wohl zurückhalten, kann aber munter alle Sündhaftigkeiten untermalen. Und mit Vera-Lotte Boecker steht eine Calisto auf der Bühne, welche sich spielerisch wie gesanglich voll in diese ambivalente Rolle versetzen kann. Rundum ein spielfreudiges Ensemble und so manche übertreibende Zote. Schlußendlich aber doch, jedenfalls im Original: Calisto findet als Sternbild „Großer Bär“ ihren Platz am weiten Himmelszelt.    

Meinhard Rüdenauer

 

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