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WIEN/ Tanzquartier: „A DIVINE COMEDY“ – der Ladys Nacktparade mit Gags und mit Längen

22.10.2021 | Ballett/Tanz

Tanzquartier Wien: „A Divine Comedy“ – der Ladys Nacktparade mit Gags und mit Längen (21.10.2021)

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Foto: Nicola Marianna Wytycak

Wie man es nimmt! Also, sicher besser, von der unterhaltsamen Seite. Erfreuen wir uns an ….. nun, so rund zwei Dutzend nackte Frauen posieren oder tummeln sich auf der riesigen Raumbühne im Wiener Museumsquartier herum. Splitternack? Ja, allerdings einige mit an den Rücken festgebundenen kleinen Skeletten, einem Cello zwischen den Beinen oder gar einem Dildo oder so etwas ähnlichem bei einer pathetisch ausgespielten Selbstbefriedigungs-Zeremonie. Die fallweise flott auf ihrem  Zweirad zwischen den Nackerpatzerln zischende Todesbotin, die ist allerdings komplett Macho-verhüllt.

Diese von Anfang bis Ende stets sehr selbstsicher demonstrierte totale Nacktheit dürfte den Damen durchaus Freude bereiten. Auch wenn sie sich über große Treppen herunter rollen lassen müssen, synchron zu einem kurzen Hürdenlauf noch und noch einmal antreten, als Assoziationen zur Kreuzigung kopfüber an den Füssen aufgehängt werden, sich als unermüdliche Holzhackerin bewähren oder als dickes Knäuel in einem eher ungustiösen Farbbad sich suhlen müssen. Aber, aber, trozdem, es ist keine Show verführerischer Beautys! Unsere munteren Aktricen sind altersmäßig bunt gemischt, eher reifere Dame, wohl keine körperlichen Schönheiten. Eine sexy Ausstrahlung dürfte sowohl für Frauen wie Männer im Publikum so gut wie keine gegeben sein.

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Foto: Katja Illner

„A Divine Comedy“ ist diese Parade der nackten Ladys zu einer heute üblichen Musik- und Lärmcollage betitelt. Erinnert an Dante Alighieris „Göttliche Komödie“, tendiert aber doch, den heutigen Bühnenkünsteleien entsprechend, zu einer Show mit nicht allzu übertriebenem Tiefgang. Die 35jährige Wienerin Florentina Holzinger ist die Gestalterin, und sie geht in dieser zweistündigen Performance recht professionell aufs Ganze. Ihr Antrieb: „Das Vertrauen in die kollektive Kraft weiblicher Körper und der starke Wunsch, sich die Zukunft nicht von der Tradition diktieren zu lassen.“ Die Zukunft ist sicher bald auch wieder vorbei, doch mit ihrer Denkungsart springt Holzinger unserem Blut- und Farbpanscher Hermann Nitsch mit seinen sich wiederholenden Mysterienspielen locker über den Rücken, ein gutes Stückerl weiter, und überrascht immer wieder mit sich wandelnden Situationen, die lang, lang, viel zu lang ausgespielt werden, jedoch auch zu verblüffen vermögen. Das ist spekulativ arrangiert, doch gekonnt gemacht und ruft gelegentlich auch ein Lächeln hervor. Etwa die beiden grotesken, sich so charmant vorstellenden Riesenskelette oder die erfrischenden Gags mit den frech herum rollenden Toilettenanlagen.

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Foto: Katja Illner

Florentina Holzinger hat diese Nacktparade der Ladys für die heurige Ruhrtriennale mit einem internationalem Team perfekt erarbeitet. Das Tanzquartier Wien hat diese fordernde und sehr aufwändige Performance, welche zwischen Kassel, Antwerpen, Berlin, Freiburg, etc. herumgereicht wird, in der Halle E des Museumsquartiers präsentiert. In Holzingers Pseudo-Dante-Wanderung sind sich Himmel und Hölle so ziemlich gleich. Entspricht heutigem Denken – wie auch das Spekulieren mit showträchtigen Elementen. 

Meinhard Rüdenauer  

 

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