27.06.2023: TAG – MUK-Lehrgang Operette: „WIENER BLUT“
Im „Theater an der Gumpendorfer Straße“ gab es viermal eine Produktion des Universitätslehrgangs „Klassische Operette“ der MUK (Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien). Diese Derniere war „besonders“, weil der Leiter dieses Lehrgangs, Prof. Wolfgang Dosch, damit seine offizielle Tätigkeit beendete und in den wohlverdienten „Ruhestand“ treten wird. Hoffentlich wird das ein „Unruhestand“ für den noch jugendlich agierenden Dosch, dem bereits vor seinen Begrüßungsworten minutenlanger Jubel des offenbar mehrheitlich aus Studierenden der MUK und Freunden zusammengesetzten Publikums entgegenbrandete! Ausdruck der Wertschätzung und Beliebtheit dieses Mannes, aus dem die Liebe zum Metier nur so heraussprudelt, und dessen mitreissende Begeisterung er offenbar perfekt weiterzugeben im Stande ist, was ihm ebensolche Ovationen am Ende auch von denen bescherte, die ihn nicht kannten.
Er war auch für die Regie und Dialogfassung verantwortlich und zauberte mit einfachen Versatzstücken (Bühnenbild: Adrian Boboc) und schönen, passenden Kostümen (Alexandra Fitzinger) und der Spielfreude aller Mitwirkenden einen beschwingt-fröhlichen, unterhaltsamen Operettenabend auf die Bühne, der einem in den angeblichen „Operettenmekkas“ – wie Baden oder leider auch immer öfter der Volksoper, die „zeitgeistig“ (allein schon welch sinnloser Ausdruck!) die Stücke demolieren – vorenthalten wird. Solche Könner dürfen sich noch nicht ganz zurückziehen, die bleiben unsere letzten Hoffnungen, das Steuer noch einmal „herumzureissen“.
Die „Johann Strauss Capelle der Muk“ (da hat mir im Programmheft das „Doppel S“ beim Walzerkönig schon sehr weh getan!), wenn ich richtig gezählt habe waren das dreizehn junge Damen und Herren, die hinter dem Geschehen auf der Bühne saß, produzierte erstaunlichen Wohlklang und ließ vergessen, daß kein volles Orchester zu hören war. Alessandro Traina war das erste Mal als Dirigent zu erleben und er entledigte sich seiner Aufgabe souverän und leitete den Abend schwungvoll ohne jegliche Pannen – bravo dem jungen Maestro!
Insgesamt war dieser Abend herzerfrischend, erfreulich und man verließ das Theater zufrieden und fröhlich. Allerdings nicht ganz ohne ein bisschen Wehmut – und das lag leider am stimmlichen Bereich. Während darstellerisch alle Mitwirkenden auf hohem bis sehr hohem Niveau agierten und in ihren Rollen aufgingen, kann selbiges von den vokalen Darbietungen leider nicht behauptet werden, einige „Baustellen“ sind da noch offen, ich wünsche den sympathischen Studierenden, daß dies auch gelingen möge.
Bei den Herren punktete Philip Guirola-Paganini durch seine witzige Mimik, sein behendes Spiel, ein Erzkomödiant wie er im Buche steht, aber sehr leise beim Sprechen und leider noch mehr beim Gesang. Sein tenoraler „Herr Graf“ Zedlau in Gestalt von Valentin Trandavir hatte seine Mühe mit der höheren Lage der Partie, obwohl er sich nach Kräften bemühte. Daniel Menczigar als Fürst Ypsheim hatte viele Lacher auf seiner Seite, die primär auf sein „Sächseln“ zurückzuführen waren, der Karusselbesitzer Kagler war bei Jan-Tobias Moser ganz gut aufgehoben, ihre kleinen Gesangsparts erledigten sie immerhin ordentlich. Etwas besser war es um die Damenriege bestellt, wo Mae Raich in drei Rollen (Anna, Page und Mitzi) eine wandelbare, tadellose Stichwortbringerin war. Eine – eingefügte – Fürstin Metternich-Sandor – mit köstlicher Attitüde und eher bundesdeutschem Akzent war Lena Weixler, die als Einlage „G´schichten aus dem Wienerwald“ sang. Man freute sich über einen fülligen Mezzo, der aber noch ein wenig der „Zähmung“ bedarf, aber da gibt’s Potential! Etwas sehr „streng“ geriet der Auftritt von Martina Neubauer als Gräfin, die in der Mittellage schönes Material hören ließ, deren kurzes Vibrato in der oberen Lage aber auszubesssern möglich schien. Ihr gelang es jedoch immer charmanter werdend, ihren „Hallodri“ -Gatten um den Finger zu wickeln. Im Vergleich zu großen Vorbildern am Besten abgeschnitten haben zwei junge Damen aus Oberösterreich! Katharina Linhard gab eine souveräne Franziska Cagliari: perfekt im Spiel, mit breiter Ausdruckspalette, punktete sie auch mit glasklarem Sopran, ausgezeichnet sitzenden Höhen und riß das Geschehen souverän des Öfteren an sich. Eine nahezu ideale Pepi Pleininger stob in Gestalt ihrer Landsfrau Michaela Mayr über die Bühne. Ein Energiebündel ersten Ranges mit perfekter Prosa und wienerischem Idiom, pfefferte sie auch ihre Gesangsnummern in den Saal und bezauberte nicht nur ihren Josef durch ihre Natürlichkeit und ihren Humor.
In den verdienten Schlußapplaus wurden auch die vier tanzenden Komtessen Gloria Marie Elaine Berghäuser, Laura Kreitmayer, Polina Samoidiuk und Jana Würleitner miteinbezogen. Wie bereits resümiert, bleibt der Abend positiv in Erinnerung!
Michael Tanzler

