Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN/ Studio der Volksoper in der Ottakringer Brauerei: DIE BRÜSTE DES TIRESIAS

28.04.2023 | Oper in Österreich

Studio der Volksoper in der Ottakringer Brauerei:

„DIE BRÜSTE DES TIRÉSIAS“ – die Juniors mit viel Trara (29.4.2023)

tirt

Dieser Seitensprung von der Volksoper in die Brauerei Ottakring darf sehr wohl gelobt werden. Mit den Jungen des Opernstudios hinauf in einen der nach wie vor urigen Event-Säle der mit unentwegtem Aufwand werbenden Bierbrauer. Im leichten Gepäcktransport: Francis Poulencs kurze Opernfarce „Les Mamelles de Tirésias“. Mamelles = Brüste. Auf einen Text des Surrealisten Guillaume Apollinaire 1947 in Paris uraufgeführt. Schon sehr gut, sehr gut wie sich das Nachwuchsteam in der Regie ihres Studioleiters Maurice Lenhard vergnügt ihrer Spiel-Chance hingibt. Zwei wohltönende Klaviere, und dem Gesang, fein à la francais, dem lässt es sich herzhaft hingeben.

Die Brüste? Ein kleines Gender-Spiel auf surreale Art. Thérèse (Jaye Simmons), ihres offensichtlich diskriminierten Geschlechtes überdrüssig, wirft ihre Brüste weg, trumpft nun als Mann mit taffem Verhalten auf. Der Gatte (Stanislaw Napierala), um Nachwuchs besorgt, mutiert zu einer Frau und zaubert unzählige Babys hervor. Bisserl recht irre geht es dazu weiter, bis Thérèse schließlich, weiblich retour, so etwas wie einen Sieg der Liebe verkündet. 

Ja, perfekt einstudiert haben die Volkopern-Juniors dieses Durcheinander phantasievoll und mit einigem Klamauk, nicht zu schlimmen, auf und rund um ein einfach eingerichtetes Podest vorgeführt. Noch dazu, um den Abend aufzufüllen, im Vorspann: Robert Schumanns Liederzyklus „Frauenliebe und -leben“. Reifer Gesang neben den Zapfhähnen, doch bloß nur zwei Brauerei-Abende mit viel Trara für Francis Poulencs Tirésias – da wird schon wohl etwas nachkommen müssen.

Meinhard Rüdenauer

 

Diese Seite drucken