Wien / Stadthalle: „Ballet for Life“: Maurice Bèjart – nun eine Legende (31.1.2026)

Copyright: Bejart-Ballett
Der französische Choreograph Maurice Bèjart hat in den Jahren der aufblühenden Tanz- und Ballettszene in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zu den besonders Kreativen gezählt. Immer wieder für positive Schlagzeilen hatte er mit dem von ihm gegründeten ‚Ballett des XX. Jahrhunderts‘ in den 60er, 70er Jahren aufgeputscht: „Le sacre du printemps“, „Bolero“. Auch mit in Sportarenen gezeigten Produktionen. Der Sitz des oft gastierenden Ensembles ist bis 1987 das Brüsseler Opernhaus La Monnaie/De Munt gewesen. Zum Konflikt ist es jedoch gekommen, als der auch in Österreich umtriebig gewesene Gerard Mortier die Leitung der Oper übernahm. Verbittert ist Bèjart gewichen – und die Stadt Lausanne hat dem gewiss als genial zu bezeichnendem Choreographen eine neue Unterkunft gewährt.
Bèjart Ballet Lausanne heißt seine Kompanie seit 1987. Und nach Bèjarts Tod vor drei Jahrzehnten werden von dem nicht übermäßig großen Ensemble sein markanten Choreographien gepflegt. Aber auch neue Werke heutiger Kreativer werden erarbeitet. Lausanne bietet bloß einen beschränkten Boden – auf weltweite Tourneen sind die Tänzer angewiesen. Und nach Jahren wieder sind sie in Wien gelandet. In der Stadthalle diesmal …. und diese ist ebenfalls keine so richtig Kulturstätte. Vier Aufführungen von Bèjarts „Ballet for Life“ waren angesetzt, in der in der Hälfte abgedeckten kleineren Halle. In einer nicht gerade voll besetzten.

Copyright: Bejart-Ballett
„Ballet for Live“ (original mit dem Titel „Le Presbytère“) kreierte Bèjart 1996 als Nachruf auf den in seinen Vierzigerjahren verstorbenen Tanzgefährten Jorge Donn. Und da auch dem Freddie Mercury kein allzu langes Leben beschieden war … auch ihm ist in diesem langen wie pausenlosen Tanzstück ein Platz gegeben. Natürlich, Mercurys Stimme und „Queen“-Klänge untermalen das wirbelige Geschehen wie grelle Hilferuf um zu Überleben. Und wenn sich gelegentlich dazu Mozart-Musik verführerisch ins Ohr drängt – das kann schon aufwühlend wirken. Wie auch: das Publikum hat sich durchaus mitgerissen gefühlt.
Auf der Bühne geht es ein bisschen zu sehr durcheinander zu. Symbolhaft wird eine Episode an die andere gereiht. Doch für Aussenstehende: Welche Symbole? …. for Life: Lebens-, Spielfreuden werden demonstriert. Doch dem unausbleiblichen Tod, diesem waren Donn wie Mercury ausgeliefert. Und klar: Bèjart ist ein von Homosexualität Getriebener gewesen. Hat aber auch seinen Tänzerinnen ihre Elegance ausspielen lassen. In diesem seinen späten Werk wartete Bèjart mit Reminiszenz aus seinem Schaffen wie auch mit skurrilen Bewegungselementen auf. Im Schlussteil wird prickelnder Tanz voll durchgezogen. Dazu kommen expressive Videoeinblendungen von Jorge Donn. Und zum Ausklang wenden sich die Tänzer mit einem großen Foto von Bèjart dem Publikum zu: Nicht nur für sie – nun eine Legende.
Meinhard Rüdenauer

