Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN/ Staatsoper: UN BARBIERE DI SIVIGLIA. A un dottor, dell sua sorte

Wiener Staatsoper 19.10.2026 Il Barbiere di Siviglia

A un dottor, dell sua sorte

bar

Schon wieder eine schöne Überraschung: Leonardo Sini führt das Orchester stringent und brillant durch die Partitur. Eine erfreuliche Neubegegnung.

Über die Produktion und einige Sängerleistungen herzuziehen wäre ein Spaziergang (tschechisch: Prohaska). Man kann sich auf Herbert Fritschs burleske, völlig requisitenlose, an alter commedia dell‘ arte orientierte Inszenierung auch einmal einlassen. Das Bühnenbild hat es sogar geschafft, eine Staatsopernanekdote zu produzieren, waren die knallbunten Folien doch wegen falscher Lagerung mal derart stinkig geworden, dass man die alte Rennert-Produktion reaktivieren musste (die meisten würden eher sagen: durfte). Mag dieser Barbiere auch eher in ein Festival oder einen Stagionebetrieb passen als zum Repertoirestandard zu werden, ist er doch durchdacht und alles in allem witzig.

Die Sänger machen willig mit, sind nicht alle von gleicher Qualität: Levy Sekgapane ist ein netter Almaviva mit typisch schmaler tenore di grazia Stimme, die bei manchen Koloraturen ins Meckernde gerät, Kate Lindsey erstaunt insgesamt mit einer Rosina, die dem Belcanto nähersteht als erwartet, aber Defizite in der Tiefe und Anstrengung bei den Fiorituren nicht leugnen kann. Matheus Franca war noch nie so gut wie als Basilio (einspringend) und Adam Plachetka pfeffert den Figaro nach wie vor mit Animo, Schwung und Kraft ins Auditorium. Jenni Hietala ergänzt als Berta und geht in der Ariette so sehr aus sich heraus wie in keiner anderen Partie. Redmond Sanders aus dem Opernstudio lässt als Fiorello eine nette, noch recht leise Stimme hören.

Den Ambrogio hat Fritsch zu einer kommentierenden Clownsgestalt aufgepeppt. Die war in den bisherigen Aufführungen Ruth Brauer-Kvam und Sebastian Wendelin anvertraut, beide auf ihre Art sehr präsent und grotesk. Wegen Wendelins Einspringen in der Burg als Mere Ubu kam es zu einer Neubesetzung: Mila Schmidt vom Staatsballett, vorwiegend in der Volksoper, meist in tänzerischen Hauptrollen, aber auch in Musicals und als Ida beschäftigt, bring grazil und graziös eine neue Interpretation.

Clou des Abends ist neben dem Orchester aber Dottore Bartolo. Misha Kiria überragt alle anderen nicht bloß physisch (ja, selbst die Kraftlackeln Plachetka und Franca), sondern auch an Stimmkraft, perlendem Parlando und echtem, raumgreifend überspringendem Humor. So wird opera buffa ein wahres Vergnügen.

Robert Fucik

 

Diese Seite drucken