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WIEN/ Staatsoper: UN BALLO IN MASCHERA

13.01.2016 | Oper

WIENER STAATSOPER am 12.1.2016- „UN BALLO IN MASCHERA“

 
Ramon Vargas, Maria Nazarova. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Der schwedische König wurde auf einem Ball ermordet. Wie die Ermittlungen ergaben, steckte dahinter eine Gruppe, die aus gebürtigen Rumänen bestand. Unter den Namen Graf Horn und Graf Warting waren Alexandru Moisiuc und Dan Paul Dumitrescu als bad guy und good guy der eine mit furchterregendem, der andere mit schmeichlerischem Bass die Anführer dieser Aufständischen. Es gelang ihnen, den honorigen Graf Ankarström auf ihre Seite zu ziehen. Dieser war es auch, der in Person von George Petean den tödlichen Stoß führte. Seine etwas raue Stimme passt nicht ganz zu dieser Kavalierbaritonrolle, aber im Eri tu gelangen ihm doch sehr schön geführte Phrasen.

Es ist fast zwei Jahre her, dass Ramon Vargas zuletzt in Wien in einer Oper auf der Bühne stand. Nach so manchen Absagen in diesem Zeitraum ist es verständlich, dass er dieses „Comeback“ vorsichtig anging. Die Höhen gingen nicht so richtig auf und er schien etwas kurzatmig, aber in der zweiten Pause passierte offenbar ein Wunder, denn die große Arie und der Schluss zeigten wieder den von früher gewohnten Glanz und nach dem Motto „Ende gut, alles gut“ ist ihm eine sehr gelungene Rückkehr auf die Staatsopernbühne zu attestieren. Seine Gattin und Auslöserin des Verrates war erstmals in Wien Kristin Lewis. Zu Beginn wirkte sie nervös, fing sich aber bald und konnte vor allem mit einer beeindruckenden Tiefe und schön gestalteten Pianophrasen gefallen. Bei Fortehöhen zeigen sich leichte Schärfen.

Der Oscar von Maria Nazarova war ein Rollendebut. Bei ihr war von Nervosität nichts zu merken. Ihr quecksilbriges Spiel hielt sie nicht davon ab, mit exakt perlenden Koloraturen zu beeindrucken. Die Rolle der Wahrsagerin Ulrica ist zwar kurz, aber anspruchsvoll. Mit Monika Bohinec kann die Staatsoper da mit einer absoluten Klassebesetzung aus dem eigenen Ensemble aufwarten. Von einer profunden Kontraalt-Tiefe bis zu dramatischen Ausbrüchen lässt sie keine Wünsche offen. Manuel Walser debutierte als Christian mit einem schön gesungenem ersten Auftritt und etwas überfordert beim Finale des 2.Bildes. Als dienender Richter oder richtender Diener komplettierte Benedikt Kobel das Ensemble.

Wüsste man nicht, dass die Produktion „erst“ dreißig Jahre alt ist und somit nicht zu den Veteranen in Wien zählt, so könnte der Eindruck entstehen, die Ausstattung sei eine Übernahme aus dem K.u.K.Hofoperntheater am Kärntnertor. Der Ausstatter Emanuelle Luzzatti hat damals die Bühnenbilder entworfen, die bewusst das Barocktheater ironisieren. Auch die Kostüme von Santuzza Cali passen sich diesem Ambiente perfekt an. Auf eine ausgefeilte Personenregie hat Gianfranco del Bosco schon damals (auch auf Grund der Spielfreude der Premierensänger) keinen Wert gelegt.

Jesús López Cobos ist den Sängern ein einfühlsamer Begleiter, der auch die orchestralen Solokantilenen voll auskostet, aber echtes Feuer entfacht er nicht.

Wolfgang Habermann

 

 

 

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