12.4.2026, „Tosca“, Staatsoper. TOSCA GIBT DEN TON AN!

Anna Netrebko beherrschte die erste von vier angesetzten „Tosca“-Vorstellungen im Haus am Ring mit üppigem Sopran und starker Bühnenpräsenz.
Ihre erste Wiener Tosca hat Anna Netrebko bereits vor fünfeinhalb Jahren gesungen – wegen coronapandemischer Maßnahmen vor leeren Sitzreihen in einer für das Publikum gesperrten Staatsoper. Diese Aufführung wurde am 13. Dezember 2020 gestreamt. Schon damals haben ihr Auftreten und ihr dunkler, breiter Sopran die Figur mit starker Bühnenpräsenz versehen – und ihr Sopran ist seither noch eine Spur breiter geworden, fließt wie dunkelrotgoldene Ölfarbe durch die Partitur und ebnet die Nuancen ein. Diese Tosca hat Saft und Kraft. Sie verhandelt mit dem bösen Baron gleichsam „auf Augenhöhe“ und dessen Nachstellungen versickern ein wenig in dieser satten, kämpferischen „Tosca-Melodie“.
Netrebkos Tosca ist außerdem keine Tosca, die sich in eine leidende „Opferrolle“ drängen lässt. Zwar zaubern im Finale des „Vissi d’arte“ einige (über)lang gehaltene, in guttural-rotweintimbrigen Flausch gepackte Töne doch so etwas wie lyrische Betroffenheit ins Auditorium – und Netrebko gewinnt das Publikum quasi im Handstreich für sich – aber es bleibt insgesamt kaum Raum für psychologische Raffinesse. Der Tod ihres Geliebten im dritten Akt reißt ihr heroisch das „Herz“ aus dem Leib – und schon nahen sich die Häscher. Netrebko ließ bei ihrem Abgang den Mantel „links“ liegen und kümmerte sich erst gar nicht um die Schlusschoreographie (Mantelwurf auf der Treppe etc.).
http://www.operinwien.at/werkverz/puccini/a40tosca.htm
Dominik Troger/ www.operinwien.at

