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WIEN / Staatsoper: TOSCA

22.03.2012 | Oper

WIEN /Staatsoper: 
TOSCA  von Giacomo Puccini
547. Aufführung in dieser Inszenierung
22. März 2012 

Der Dirigent und die Besetzung der Titelrolle waren für den Opernfreund Grund genug, sich wieder einmal in die „Tosca“ zu begeben. Wobei man, hätte man es nicht gewusst, zumindest im ersten Akt schwerlich auf  Franz Welser-Möst im Orchestergraben getippt hätte – es sei denn, er ist jetzt in seine „stürmische Periode“ eingetreten. Denn der Mann, von dem man eher Feinarbeit gewohnt ist, ließ diesen Puccini gewaltig martialisch daherkommen. Später gab es dann, etwa zu Beginn des dritten Aktes, durchaus auch Feinheiten, aber sagen wir einmal über die ganze Vorstellung Folgendes:

Maria Cavaradossi ist doch Maler und weiß vermutlich eine Menge über Stile: Diese „Tosca“ wurde gewissermaßen expressionistisch mehr hingeschmiert als fein gearbeitet – von allen Beteiligten, um die Wahrheit zu sagen. Das geht natürlich auch und macht Wirkung, der Schlussapplaus klang heftig genug. Wer allerdings meint, dass Puccinis Verismo auch mit Eleganz und Belcanto Hand in Hand gehen kann (müsste / sollte), der war an diesem Abend nicht ganz richtig.

Nina Stemme sang in dieser Aufführungsserie erstmals die  Tosca in Wien. Der geschätzte „Prolog“ der Staatsoper (bitte, nicht wegsparen) hat durchaus auch die Aufgabe, klärend oder regulierend zu wirken. Man weiß (Vesselina Kasarova bestätigte es gerade wieder) wie sehr Sänger von Agenten, Opernhäusern und auch Publikum in „Schubladen“ verfrachtet werden. Und sieht man sich die Engagements von Nina Stemme an (operabase ist da eine gute Adresse), dann steckt sie in Wagner, Wagner, Wagner, alle heiligen Zeiten ein Strauss oder eine Leonore. Sonst hat sie seit der Wiener „Macht“-Leonora (und eine einsame Minnie in Stockholm) kein anderes Fach gesungen. Kein Wunder, dass sie ausbüchst, und im „Prolog“ wird  – Einwände voraus ahnend (Wagner-Sänger sollen keinen Puccini singen!)  –  der Vielfalt das Wort gesprochen. Es ehrt Sänger auf jeden Fall grundsätzlich, wenn sie immer wieder einmal etwas Neues versuchen.

Also – die die Brünnhilde und Isolde vom Dienst als Tosca, und ehrlich, es ist kein Schaden, wenn eine Hochdramatische die exponierten Ausbrüche der Diva mit aller Selbstverständlichkeit hinausschmettern kann. Zumal die Stemme ihre Stimme darüber hinaus durchaus im Griff hat, nicht nur im forte. Natürlich, die hohe Kunst des Legato ist es nicht, einen warmen italienischen Ton bekommt man auch nicht, aber jedenfalls eine sehr achtbar gesungene Tosca, bei der man nur im Spiel Abstriche machen muss. Zumal im zweiten Akt (das lag aber vielleicht auch dem Partner) hatte man wahrlich nicht das Gefühl, dass hier um Leben und Tod verhandelt wird, dass sich eine Frau da in einem Aufruhr der Gefühle fast das Herz aus dem Leib reißt. Kaum, dass sie sich entschließt, sich um ihren blutig herbeigeschleppten Mario zu kümmern…

Keinen sonderlich glücklichen Abend hatte José Cura als Cavardossi, obzwar er alle geforderten Spitzentöne erstemmte, allerdings nicht sehr schön. Im übrigen war von italienischer Cantilene (und das ist eine Belcanto-Rolle!) nichts zu vermerken, die Stimme bröckelte, eierte, schien stellenweise nicht unter Kontrolle zu halten.

Marco Vratogna sang den Scarpia nicht nur mit leisem Hang zum Distonieren und knochentrocken, sondern spielte ihn auch so – an einen zweiten Akt, in dem sich weniger Spannung zwischen den Protagonisten aufgebaut hat, erinnert man sich kaum. Vielleicht war es Konzept, mit gewissermaßen unberührbarer Kühle durchs Geschehen zu schreiten, aber die Rolle schreit nach der Machtgier, der sexuellen Gier, dem Sadismus der Figur – wer das verweigert, wird nur ein Schmalspur-Scarpia sein.

Zählen wir den Rest der Besetzung auf, Eijiro Kai (Cesare Angelotti),  Alfred Šramek (Mesner), Wolfram Igor Derntl  (Spoletta),  Il Hong (Sciarrone) und Walter Fink (Schließer), dazu ein Opernschulekind als Hirt – mehr kann man nicht tun, wenn einem zu den Leistungen nichts einfällt…

Renate Wagner

 

 

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