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WIEN/ Staatsoper/ Staatsballett: VERKLUNGENE FESTE / JOSEPHSLEGENDE

04.01.2016 | Ballett/Tanz

Wien/ Staatsballett in der Staatsoper: Richard Strauss, Verklungene Feste und Josephslegende

6. Aufführung dieser Produktion

 2.Jänner 2016

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Kirill Kourlaev. Copyright: Wiener Staatsballett

 Das neue Jahr konnte nicht besser beginnen! Zur Musik von Richard Strauss tanzten die wohl besten Tänzer der Compagnie in Choreographien von John Neumeier.

Als Nachhall vergangener Zeiten bearbeitete Richard Strauss nach dem Ersten Weltkrieg die Tanzsuite von François Couperin aus der Zeit Louis XIV. 1941 wurde dann das Ballett „Verklungene Feste“ unter dem Dirigat von Clemens Krauss in München uraufgeführt. John Neumeier choreographierte das Stück neu im Jahre 2008 für seine Hamburger Compagnie.

Fünf Solistenpaare tanzen die unterschiedlichsten Beziehungskonstellationen. Da gibt es das fröhliche, glückliche Paar – Liudmila Konovalova und Davide Dato, das leichtfüssige, unbeschwerte Duett – Kiyoka Hashimoto und Masayu Kimoto, das tragische, sich der Trennung durch einen Krieg bewußte Paar, Irina Tsymbal und Mihail Sosnovschi, die zarte Liebe – Eszter Ledán und Robert Gabdullin und quasi als Gastgeber dieses Festes, das kurz vor dem deprimierenden Ende steht, das unglückliche Paar – Maria Yakovleva und Vladimir Shishov.

Auch die wunderbaren Kleider (Albert Kriemler) der Damen spiegeln diese verschiedenen Stimmungen wieder, lebendiges Orange, leuchtendes Rot, blasses Malve und zartes Rosé sowie ein dunkles Aubergine. Zudem ist die Besetzung der Paare gut gelungen. Es scheint fast, als ob die Choreographie für diese Tänzer geschaffen wurde. Den größten Eindruck hinterlassen Irina Tsymbal und Mihail Sosnovschi, hier tritt der ganze Schrecken zutage, den der Wandel der Zeiten mit sich bringt. Wunderbar im Fluß der Bewegungen und stark im Ausdruck.

Die scheinbare Leichtigkeit der Barockmusik gepaart mit der Kunst eines Richard Strauss, in Bewegung umgesetzt von John Neumeier, das ist schwere Kost für alle Beteiligten, auf der Bühne und im Zuschauerraum. Und es macht süchtig auf mehr.

 Das „Mehr“ gab es dann nach der Pause in Form der „Josephslegende“, 1977 für das Wiener Ballett geschaffen, von John Neumeier 2008 für Hamburg überarbeitet. Die gewaltige Musik Richard Strauss’ entführt uns in den Orient. Man kann die schweren Düfte fast riechen, so stark kommen uns die Klänge aus dem Graben entgegen (Mikko Franck steht am Pult des Orchesters, wie schon bei der Première in der vergangenen Spielzeit, am Konzertmeisterpult Volkhard Steude und Albena Danailova. Luxus also auch hier).

Und dann verschmelzen Tanz und Musik, Denys Cherevychko (erfreulicherweise schnell genesen nach der plötzlichen Erkrankung in der Fille-Serie) ist Joseph. Er tanzt ihn nicht nur, er ist es! Es ist zu spüren, daß diese Partie sehr sorgsam erarbeitet wurde. Hier stand hilfreich Kevin Haigen, der Joseph der Uraufführung zur Seite. Auf der Bühne hat er als schützende Macht den Engel neben sich. Ruhig und selbstbewußt und so exakt tanzt Kirill Kourlaev diese Partie und rettet Joseph letztendlich aus seiner Ambivalenz zwischen Knaben und Mann, aus den Händen Potiphars und seiner Gemahlin. Denys Cherevychko tanzt diese Partie als ob es um Leben und Tod geht. Da paßt jeder Moment, da ist sich ein Tänzer völlig dessen bewußt, daß er die Technik beherrscht und nun damit spielen kann. Die Spannung, die sich aufbaut, als er Potiphar (Roman Lazik) begegnet, ist förmlich als Knistern im Raum zu hören. Ein edler Herrscher, männlich und auch gefährlich, und er erliegt dem Charme des jugendlichen Joseph.

Leider kann der weibliche Gegenpol, Potiphars Weib ( Rebecca Horner) bei diesem mächtigen Dreieck keinen Kontrapunkt setzen. Sauber tanzt sie die erlernten Schritte, gibt sich wild und ungezähmt. Nur das reicht nicht aus, um die Verführerin/Verführte zu sein. Etwas weniger Hektik wäre angeraten, mehr Grazie und Geschmeidigkeit, mehr erotische Ausstrahlung wären zu wünschen. Wie großartig es wohl wäre, zu erleben, daß Ketevan Papava gemeinsam mit den Herren Cherevychko, Kourlaev und Lazik auf der Bühne steht. Dann könnte man die Exstase der Musik auch in der großen Szene zwischen Joseph und Potiphars Weib miterleben.

 Folgevorstellungen am 4., 6. und 9. Jänner sowie am 22. und 25. April 2016.

 Ulrike Klein

MerkerOnline

 

 

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