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WIEN/ Staatsoper/ Staatsballett: TANZPERSPEKTIVEN. Tausendundeine Tanzpositionen. Und noch einige mehr…

20.04.2015 | Ballett/Tanz

19.4.2015: „TANZPERSPEKTIVEN“ Tausendundeine Tanzpositionen. Und noch einige mehr.

 Gleichsam wie von einem Mahlstrom mitgerissen müssen sich die Tänzer an diesem Abend ihrer Knochenarbeit hingeben. Das vierteilige Ballettprogramm „Tanzperspektiven“ wurde vor zwei Jahren vom Wiener Staatsballett erstmal präsentiert, und für zwei Abende ist es nun wieder aufgenommen und für einen Gastspiel-Abstecher frisch präpariert worden. Beinharte Knochenarbeit wird in diesen neueren Piecen, welche die Perspektive der Opernbesucher auf die international gängigen zeitgemäßen Ballettphantasien – sagen wir auch ruhig: auf die aktuelle Ballettmode – lenken sollen, von den Tänzern gefordert. Sämtliche Ersten Solisten des Hauses sind aufgeboten, alle überzeugen mit ihren exquisiten Leistungen. Der Abend bietet schon eine besonders exquisite Tanzdemonstration, in artistischer und wie expressiver Hinsicht!

 Tausendundeine und noch mehr virtuose Tanzpositionen werden wie am Fließband in einer überwiegend wirbeligen Abfolge rasant wechselnder Posen den Tänzern von den vier verschiedenen Choreographen abverlangt. Gut gemachte, handwerklich perfekte Stücke mit einer Reihe überzeugend schöner und wiederholt überraschender Momente. Ohne aber dass dieses schnittige Rankenwerk auch unter die Haut zu gehen vermag. Vier Mal Tanzästhetik, pur dem Zeitgeist folgend, dürfte vielleicht bereits schon zu viel des Guten sein. Der britische Choreograph David Dawson lässt in zu „A Million Kisses to my Skin“ seine neunköpfige Artistenschar zur  Motorik von Johann Sebastian Bachs 1. Klavierkonzert mit voller motorischer Kraft dahintreiben. Die Kalifornierin Helen Pickett bedient sich, leicht orientalisch angehaucht, in „Eventide“ ausgewählten CD-Einspielungen von Philip Glass, Ravi Shankar oder Jan Gabarek als Antriebsmotor. In „Vers un Pays Sage“ von Jean-Christophe Maillot (Ballettchef in Monte-Carlo) pulsiert es gar gewaltig zu John Adams atemlosen „Fearfull Symmetries“. Und der Hamburger Patrick de Bana versucht in „Windspiele“ zu dem ersten Satz aus P.I. Tschaikowskis Violinkonzert Kirill Kourlaev und Richard Szabó als kraftstrotzende Windsurfer über die Bühne zu jagen. Markus Lehtinen lenkte zu diesen Schaustücken das Orchester, Konzertmeister Volkhard Steude brillierte dazu als Solist des Violinkonzertes. Vor allem aber: allen Tänzern auf der Bühne ein großes Lob für ihre so elegant und ästhetisch verbrämte …. Knochenarbeit.

Meinhard Rüdenauer 

 

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