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WIEN/ Staatsoper/Staatsballett: RAYMONDA

Ein märchenhaftes Tanzfest mit "Raymonda"

13.04.2018 | Ballett/Tanz

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WIEN/ Staatsoper/Staatsballett, 12. 4.2018: Ein märchenhaftes Tanzfest mit „Raymonda“

Großes russisches klassisches Ballett aus des Zarens Zeiten! Und diese „Raymonda“, Jahrgang 1898, ist ein wahres Prachtstück dieses Genres. Rudolf Nurejew studierte 1985 mit der ihm eigenen tänzerischen Phantasie und ungemein musikalischem Fingerspitzengefühl seine Fassung nach der Originalchoreographie von Marius Petipa (besser: nach deren diversen Überlieferungen) in der Wiener Staatsoper ein. Und die in jeden der unzähligen Details fein erarbeitete diesjährige Wiederaufnahme ist zu einem reinen Tanzfest für jene Liebhaber geworden, welche sich in diese sich in der Spätromantik eröffnende Wunderwelt zu der farbig und kraftvoll erzählender Ballettmusik von Alexander Glasunow hineinzuversetzen vermögen. 

Vierte und letzte alternative Besetzung der Hauptpartien in der heurigen Aufführungsserie, und das Wiener Staatsballett präsentierte sich der Reihe nach klassisch-akademischen Gustostückerln in Feinschliff. Ließ dabei Freude an Nurejews ingeniös gestalteten Walzer & Bacchanal & Pavane & Ritterkampf & hochzeitlichem Festzug & Apotheose – Formationen spüren. Ein getanztes pompöses Heldenepos? Mit edler Gräfin (Oxana Kiyanenko), einem souveränen König von Ungarn (Zsolt Török), einem grimmigen Sarazenen-Fürsten auf Beutezug. Und einer Raymonda in tänzerischer Hochform: Maria Yakovleva vermag Dramatik wie große Herzlichkeit spüren zu lassen, rückt dabei mit ihrer gewinnenden Ausstrahlung, ihren Ballerinen-Glanznummern auf Spitze und allen artistischen Finessen die Erzählung mit ihrer abwechslungsreichen Bilderfolge ganz ins märchenhafte. Denys Cherevicko ist als Ritter Jean de Brienne ihr eleganter Partner, der in den Bravour-Variationen geschmeidig seine Virtuosität ausspielt.    

Als Gefährtinnen, Gefährten stehen Raymonda graziös Adele Fiocchi und Elena Bottaro (beide mit Rollendebüts) sowie vital Trevor Hayden und Arne Vandervelde beiseite. Und prägnant gestikulierend und mit bedrohlicher Kraft brilliert der dynamische Eno Peci als der sie begehrende Sarazene Abderachman. Dirigent Kevin Rhodes lenkt mit unablässigem Schwung durch Glasunows üppige Klanglandschaft das Orchester, welches willig, gelegentlich auch etwas rumorend folgt. Ein brillant getanzter Abend, durchaus einer der Glanzpunkte der Direktionszeit von Manuel Legris.

Meinhard Rüdenauer

 

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