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WIEN/Staatsoper/Staatsballett: NUREJEW-GALA 2019

Nobel aufgetischt, zuwenig gewürzt

29.06.2019 | Ballett/Tanz

Copyright: Vienna State Ballet / Ashley Taylor
Foto: Ashley Taylor

Wiener Staatsballett in der Staatsoper: „NUREJEW GALA 2019“, 28.6. 2019– nobel aufgetischt, zuwenig gewürzt

Das war ein langer Abend, ein zu lang geratener. Die „Nurejew Gala“, mit welcher das Wiener Staatsballett alljährlich seine Saison beschließt, hat diesmal über vier Stunden gedauert. Nobel wurde zwar aufgetischt, sechzehn Programmpunkte wurden in drei Blöcken geboten, allesamt einigermaßen lecker, an pikanter Würze hat es allerdings doch gemangelt.

Die Höhepunkte für das Publikum? Dessen Applaus nach vermochten die klassischen Showpiecen mit ihren artistischen Einlagen am stärksten anzusprechen. Der „Talisman-Pas de deux“ etwa, getanzt von den Gästen Anastasia Nuikina und dem mit unglaublicher Sprungkraft hoch durch die Luft fliegenden Wirbelwind Kimin Kim, beide Mitglieder des St. Petersburger Mariinski-Theaters. Oder auch der „Esmeralda –Pas de deux“, der von Liudmila Konovalova und Young Gyu Choi, Solist des Dutch National Ballet, virtuos in absoluter Stilreinheit interpretiert wurde. Und Erster Solotänzer Vladimir Shishov, 2006 von St. Petersburg an die Staatsoper engagiert und nun aus Altersgründen ausscheidend, wurde nach seinem letzten Auftritt mit stürmischem Beifall verabschiedet. Ein Ausschnitt aus Roland Petits schnittiger „Fledermaus“ (natürlich, der Musik von Johann Strauß folgend) geriet mit seiner hocheleganten Partnerin Olga Esina zu einem der Höhepunkte.

Unterschiedliche Passagen aus dem Angebot der zu Ende gehenden Spielzeit gab es der Reihe nach zu sehen. Ballettchef Manuel Legris hat den in dieser Saison einstudierten beiden melodienreichen Léo Delibes–Klassikern „Coppélia“ (mit Natascha Mair und Jakob Feyferlik an vorderster Front) und „Sylvia“ (mit Nikisha Fogo und Denys Cherevychko) einen dominierenden Stellenwert gegeben. Von den gezeigten vier kleinen Stücken zeitgenössischer Choreographen, alle Tanzduos, hat András Lukács´ „Luminous“ (zu austauschbarer Musik von Max Richter) durch poetische Aussage wie der innigen Verschmelzung von Nina Tonoli – die Solotänzerin aus Belgien wechselt nun von Wien nach Amsterdam – und Jakob Feyferlik sensibel anzusprechen vermocht. Sehr feinnervig auch, doch für so manchen Fan eher eine herbe Enttäuschung, da rein auf überhöhende Körpersprache, auf intensive Gestik konzentriert, ohne jegliche Virtuosität: Der Pas de deux „Ochiba“ (Herbstlaub, gefallenen Blätter / Sound von Philipp Glass), welchen Patrick de Bana für Manuel Legris heuer in Tokio kreierte, und der gleichsam als ein Abgesang auf Legris´ längst schon beendete Tänzerkarriere anzusehen ist. Wohl auch eine intime Interpretation: Unterlegt sind die Worte “ …. unmögliche Lieben, die weitergehen, ohne jemals begonnen zu haben ….“. Partnerin Nina Poláková konnte diese Distanzen im menschlichem Versagen in überzeugender Reinheit vermitteln.

Rudolf Nurejew, der 1993 in Paris verstorbene Namensgeber der Gala, ist mit nicht so ganz passenden Ausschnitten aus seinen Versionen von „Schwanensee“ (Kiyoka Hashimoto und Leonardo Basilio), „Dornröschen“ (Oxana Kiyanenko und Navrin Turnbull) und „Romeo und Julia“ (Ioanna Avraam und Robert Gabdullin) gewürdigt worden. Ein paar Kleinigkeiten an Historischem wie Zeitgenössischem mehr. Dirigent Kevin Rhodes, weniger ermüdet als das Publikum, hat dies alles anfeuernd illustriert.  

Schließlich noch, ohne sich bereits in großen Rollen stärker profiliert zu haben: Die Italienerin Elena Bottaro und Madison Young aus Utah wurden zu Solotänzerinnen ernannt. Und vom Corps de ballet sind der Australier Navrin Turnbull und der Belgier Arne Vandervelde die Leiter zu Halbsolisten aufgestiegen.

Meinhard Rüdenauer

 

 

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