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WIEN/ Staatsoper/ Staatsballett: LE CORSAIRE

Geblümtes Orient-Spektakel als exzellente Tanzshow

11.05.2019 | Ballett/Tanz

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Staatsoper, Wiener Staatsballett: „LE CORSAIRE“, 10.5.2019  – geblümtes Orient-Spektakel als exzellente Tanzshow

Auf in das geblümte Märchenland des historischen romantischen Balletts! „Le Corsaire“: 1856 für das Ballet der Pariser Opéra erdacht und gestaltet. Mit dem Glücksfall der stimmungsvoll untermalenden Musik von Adolphe Adam. Allerdings, damals so üblich und auch heute, auf tänzerische Effekte zielend: schnittige Einlagen von Delibes, Pugni, Drigo, Oldenburg fügen sich bruchlos ein. Und da dieser altbackene Corsaire orientalisches Kolorit vorgibt, darf sich der unvoreingenommene Betrachter am düsteren Meeresstrand, in der Höhle der Freibeuter oder im Palast des Paschas an gertenschlanken Haremsdamen, gedemütigten Sklavinnen oder einer Schar muslimischer Freibeuter wie anderer Schurken erfreuen. Naiv, naiv, doch durchaus unterhaltsam und abwechslungsreich anzusehen.

Ballettchef Manuel Legris studierte seine nachgestaltende Version dieses Orient-Spektakels 2016 mit dem Wiener Staatsballett ein, und für acht Abend ist es nun wieder ins Repertoire aufgenommen worden. Erster Abend (3.5.): trocken, zu rustikal vom Opernorchester unter Dirigent Valery Ovsianikov aufgespielt. Zweiter Abend (10.5.): musikalisch schon solider, doch an beseelteren Stimmungen hat es trotzdem gemangelt. Aber …. auf der Bühne ist ein tänzerisches Feuerwerk von drei Paaren wie dem Reigen der untertänigen Gespielinnen zu sehen gewesen. Von Kimin Kim als Korsar Konrad angeführt demonstrierten Maria Yakovleva (bei all ihrer technischen Perfektion darstellerisch ein poesievolle Médora), Liudmila Konovalova (Gulnare, klar, hochpräzise in der Linienführung), Ioanna Avraam (eine rassige Zulméa), Davide Dato als der so ungemein geschmeidige Birbanto und Mihail Sosnovschi als kraftvoller Lanquedem Ballettartistik par excellence. Nikisha Fogo, Nina Tonoli und Natascha Mair fügten sich mit Bravour als Odalisken im ausladenden Divertissement mit dessen Girlanden-Zauber ein.

Kim, koreanischer Startänzer des St. Petersburger Mariinski-Theaters, verblüffte mit seiner unglaublichen Sprungkraft. Elegant wie kraftstrotzend und selbstsicher kostete er seine Flug-Figuren aus. Insgesamt, mit „Le Corsaire“ in ein anderes Jahrhundert zurückversetzt: Drei Akte vom Mädchenhandel am Basar bis zum Schiffbruch ohne plausible Story, mehr perfekter Balletteusen-Drill als verströmende Sinnlichkeit, doch Tanzartistik auf höchstem Niveau – solch ein Ballettzirkus vermag auch ohne Tiefgang zu erfreuen.

 

Meinhard Rüdenauer

 

 

 

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