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WIEN/ Staatsoper/ Staatsballett: LA FILLE MAL GARDÉE – Livestream

28.12.2015 | Ballett/Tanz

Wien, Staatsballett in der Staatsoper: Hérold, La fille mal gardée — Livestream

  1. Dezember 2015

 69. Vorstellung dieser Inszenierung


Roman Lazik und Ensemble. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

 Eine kurzfristige Umbesetzung bescherte dem Publikum der Livestream-Vorstellung anstatt Denys Cherevychko den Solotänzer Mihail Sosnovschi als Colas.

Wie das Staatsopernarchiv verrät tanzte er die Partie bereits im Februar 2007. Es ist wirklich schade, daß wir ihn so selten in großen Rollen sehen können. Ist er doch ein sehr guter Tänzer, kraftvoll und sprunggewandt, ein sicherer Partner bei den Hebungen und geführten Touren. In seiner Obhut tanzte Maria Yakovleva die Lise ohne die Probleme, die sie in ihrer ersten Vorstellung der Serie hatte. Wirkte sie da fast lustlos, so machte sie diesen Eindruck am gestrigen Abend wieder wett, spielte und tanzte das junge Mädchen mit viel Freude. Wenn sie nun noch gemeinsam mit ihren Kolleginnen respektive Kollegen etwas mehr auf die Hände achten würde, es wäre eine Freude. Leider geht hier meistens die Linie verloren und damit auch die Spannung im Schulterbereich.

 Paul Connelly leitete den schwungvollen Abend. Die Lebensfreude der Musik und des Tanzes hat sich wieder auf das touristisch geprägte Publikum übertragen. Hier wurde das Weihnachtsfest mit einer tänzerischen Bescherung verlängert! Und das bei einem so sozialkritischen Stück, das oberflächlich als Landromanze daherkommt, aber eigentlich eine Gesellschaftsstudie der beginnenden Revolution ist.

 Die Vorstellungen, die via Livestream übertragen werden sind immer etwas von Vorsicht geprägt. Der große Überschwang einer „normalen“ Aufführung wird etwas zurückgenommen, dafür wird wesentlich mehr auf Details im Spiel geachtet, die sonst auch einmal dem Schwung des Ganzen zum Opfer fallen.

 Noch eine kleine Anmerkung am Rande — es ist doch erstaunlich wie ein Sommerregen die Schürze der Witwe Simone verfärben kann. Geht sie doch mit blütenweißer Schürze aus dem Haus und kehrt nach dem Gewitter mit einer schwarzen zurück. Das tut natürlich der überragenden Darbietung Roman Laziks keinen Abbruch, es ist nur aufgefallen.

 Ulrike Klein

MerkerOnline

 

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