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WIEN/ staatsoper/Staatsballett: IM SIEBTEN HIMMEL – am Weg mit Bizet, Mahler, der Strauß-Familie

04.04.2023 | Ballett/Performance

Wiener Staatsoper / Staatsballett: „im siebten himmel“ –  am Weg mit Bizet, Mahler, der Strauß-Familie (3.4.2023)


Copyright: Wiener Staatsoper/ Ashley Taylor

„im siebten himmel“ heißt es in etwas altmodischer Kleinschreibung im Ballettrepertoire der Wiener Staatsoper – und schauen wir mal nach, was wir an diesem dreiteiligen Abend zu erleben bekommen. Zuerst einmal, höchst erfreulich: ein volles Haus. Ein gemischtes, allzu leger angetretenes und wohl auch kein Fachpublikum. Dessen Reaktionen auf das dreiteilige Programm: sehr positiv, aber auch nicht wenige Flüchtende nach den modernen beiden ersten Stücken. Beim abschließenden „symphony in C“-Geniestreich von George Balanchine durfte man aber doch an die Himmelstüre klopfen. 

Zuvor wird man mit einer Kuriosität konfrontiert. Zu „fly paper bird“ geben Symphoniesätze von Gustav Mahler die klangschöne Überlebenshilfe für eine vom Wiener Staatsballett 2021 uraufgeführte eigenartige Piece des später mit Hundekot jonglierenden und Kritikerinnen verwünschenden deutschen Choreographen Marco Goecke (keine Angst, er wird sicher nicht Nachfolger des derzeitigen Wiener Chefchoreographen). Goeckes Papiervögel fliegen nicht, sondern sie bewegen sich in skurriler Manier: mit Trippelschritten rein und raus und rundum, mit steifen, doch wiederholt geknickten Oberkörpern, eine unablässig flattrige Gebärdensprache mit Armen und Fingern, gleichsam hinfällig schlotternde anonyme Marionetten. Wie man möchte – eine Groteske, ein allzu menschlicher Aufschrei, Nonsens? Jedenfalls hat die elfköpfige TänzerInnenschar ihre heikle ungewöhnliche Aufgabe grandios bewältigt.

Die „marsch, walzer, polka“-Folge von Choreograph Martin Schläpfer am Beginn des Abends bedient sich musikalisch der Geniestreiche der Strauss-Dynastie. Es ist ein kompakt gestalteter Coup, mit Intellekt und Witz das gängige Walzer-Klischee zu konterkarieren. Kann interessieren, hat seinen Wert, dürfte aber das gegebene heimische Wiener Sensorium nicht so richtig treffen.

Überhaupt bezüglich ‚heimisch‘: Ein Blick auf die Tänzernamen im Programmzettel belehrt, dass in der großen Kompanie für einen österreichischen tänzerischen Eigenbau kaum ein Platz mehr gegeben ist. Jedenfalls aber versprühen zum Abschluss Balanchines „symphony in C“ und die Musik von Georges Bizet sehr wohl himmlisches Glück. Die Paare Kiyoka Hashimoto und Davide Dato, Liudmila Konovalova und Marcos Menha wie alle Solisten und das fein studierte Damencorps demonstrierten, von Dirigent Jendrik Springer mit vollem Klang begleitet, dass sie alle Anforderungen, klassisch wie modern, mit all der erwünschten Perfektion zu bewältigen verstehen.

Meinhard Rüdenauer  

 

 

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