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WIEN/ Staatsoper: SOLISTENKONZERT JUAN DIEGO FLOREZ anlässlich seines 20jährigen Bühnenjubiläums

29.09.2016 | Konzert/Liederabende

Solistenkonzert JUAN DIEGO FLÓREZ

Anlässlich seines 20jährigen Bühnenjubiläums

Wiener Staatsoper, 28.9.2016

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Juan Diego Florez. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Vor 12 Jahren noch musste die Staatsoper verbilligte Karten für Spätentschlossene auf den Markt werfen, um das Haus für Vorstellungen der „L‘Italiana in Algeri“-Serie zu füllen, in der JD Flórez den Lindoro sang. Im Jahre 2016 füllt Flòrez das Haus mit seinem Lieder- und Arien-Recital. Die Sitzplätze waren ausverkauft und auch die Stehplätze waren fast bis zur Gänze gefüllt.

Begleitet von Vincenzo Scalera, seines Zeichens selbst ein international gefragter Pianist und Cembalist, war der erste Teil des Programmes Werken von Gioachino Rossini gewidmet. Flórez begann – noch etwas verhalten – mit dem Lied „La Lontananza“, gefolgt von „Bolero“.

Immer wieder kommentierte er (auf Englisch) einzelne Stücke, so auch „Addio ai Viennesi“, das Rossini im Zuge seines Abschiedes aus Wien für das Wiener Publikum geschrieben hat. Das kam derartig gut an, dass er das gleiche Stück später auch in anderen Städten aufführte und dort die entsprechenden Namen ersetzte.

Der Arienteil begann mit „Alma Rea! Perché tìnvoli?“ aus Matilde di Shabran. Zu dieser Oper hat er eine besondere Beziehung, da er damit als 23jähriger seinen internationalen Durchbruch in Pesaro schaffte. Es folgten noch Arien aus „La gazza ladra“ und „Semiramide“, bevor es in die Pause ging.

Der zweite Teil des Abends begann mit drei Canzonen aus der Feder von Ruggero Leoncavallo, unter anderem brachte er auch „Mattinata“ zur Aufführung. Das Besondere an diesem Stück ist, dass Leoncavallo das Lied ausdrücklich für eine Plattenaufnahme geschrieben hat und selbst mit Enrico Caruso, dem „Mattinata“ auch gewidmet ist, es auch eingespielt hat.

Dann sang ein Orpheus des 21.Jahrhunderts vor dem Orpheus-Vorhang aus dem 20.Jahrhundert zwei Arien des Orpheus aus einer Oper des 18. Jahrhunderts. „J’ai perdu mon Eurydice“ und „L’espoir renait dans mon ame“, gefolgt von Donizettis „Una furtiva lagrima“, Massenet’s „Pourquoi me révellier“ und zum Abschluss des offiziellen Programmes „Ah, mes amis“.

Der Zugabenblock umfasste „Cucurrucucu Paloma“, ein seiner Frau gewidmetes „Ich habe von Dir geträumt“ (beides selbst an der Gitarre begleitend), „La Donna e mobile“ und „Granada“.

Das Publikum (in dem sich im Vergleich mit „normalen“ Opernaufführungen relativ wenige Touristen befanden)  goutierte naturgemäß die „Hohen C’s“, von denen es ausreichend viele zu bewundern gab. Mir selbst gefielen die mehr elegischen Stücke besser, da man da die Stimmentwicklung besser nachvollziehen konnte. Flórez hat in den letzten Jahren an Tiefe und Breite gewonnen, ebenso an Ausdruck. Die hohen Töne kommen noch immer ganz klar, sein Timbre ist unvergleichbar, allerdings hatte ich den Eindruck, dass er etwas mehr Kraft als früher aufwenden muss. „Una furtiva lagrima“ – ich denke, dass es zur Zeit keinen Interpreten gibt, der diese Arie nur annähernd so gefühlvoll wir er singen kann – war mein persönliches Highlight. Ein Gigant des Jazz, Miles Davis, sagte einmal „Die Note ist nur 20 Prozent. Die Einstellung von dem XXXX, der sie spielt, ist 80%.“ Das trifft absolut zu. Im Vergleich zu früheren Aufnahmen und auch Live-Erlebnissen waren dieses Mal viel mehr Zwischentöne und Tonfärbungen zu vernehmen, noch mehr Gefühl als normalerweise.

Nicht ganz zu überzeugend empfand ich seinen Ausflug als „Werther“, da fehlte ein wenig die „Voix mixte“.

Das Zusammenspiel zwischen Sänger und Pianist war auch perfekt und beide sprühten nur so vor Freude – da machte das eine oder andere Hoppala (ja, auch ein Flórez kann einmal den Text vergessen) überhaupt nichts aus, da alles charmant überspielt wurde. JDF war auch sehr aktiv auf der Bühne, stand nicht nur herum – schäkerte mit dem Publikum und wurde zu Recht bejubelt.

Er ist einer der ganz wenigen Sänger, dessen Timbre unverwechselbar ist und man kann sich  schon jetzt auf seine Auftritte als Elvino und Romeo zu Beginn des nächsten Jahres freuen.

Kurt Vlach

 

 

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