21.4. „SIMON BOCCANEGRA“
Ein Nachtrag zur Kritik über den 19.4.: Der Tenor macht den Unterschied
Francesco Meli. Foto: Youtube
Am 21.4. fand die dritte Vorstellung der derzeit laufenden Serie statt – wohl eine der besten Aufführungen der laufenden Saison insgesamt:
Die ohnehin formidablen Darsteller von Simon und Amelia, Ludovic Tézier und Federica Lombardi fast in noch besserer Form, besonders Téziers Interpretation der Schlussszene lässt keine Wünsche offen: Unter der Leitung des Tonzauberers am Dirigentenpult Marco Armiliato scheint das Leben des Dogen im Nichts zu verhauchen, dies mit einer Innigkeit im Einklang mit Chor, Orchester und Protagonisten, die kaum zu überbieten ist. Das Publikum wird quasi Teil der Apotheose.
Den großen Unterschied zur Voraufführung macht allerdings die Besetzung des Gabriele Adorno:
Hier trifft das Publikum erfreulicherweise auf den Genueser Francesco Meli, der in den letzten Jahren trotz großer Erfolge unter anderem an der Mailänder Scala von der gegenwärtigen Staatsopernintendanz unbeachtet geblieben ist. Auch seine Stimme ist wie die seiner Bühnenpartnerin in den letzten Jahren gereift, „runder“ geworden, hat viel „Italianità“, Schmelz und Metall finden bei ihm einen guten Ausgleich, auch dynamische Variationen weiß er sein eigen. Der von ihm dargestellte junge, etwas ungestüme Edelmann ist ein idealer Counterpart zum bereits in die Jahre gekommenen Dogen, und zückt von familiärem Rachedurst und Eifersucht getrieben schnell das Schwert. Stimmlich und darstellerisch verfügt Meli über alle Mittel, diesen Genueser Patrizier in all seinen Facetten glaubhaft zu verkörpern. Eine wahre Bereicherung – insbesondere im Vergleich zu seinem Rollenvorgänger 2 Tage davor. Es wäre erfreulich, wenn er in Zukunft häufiger Gelegenheit bekäme, in Wien seine Verdi-Tenor-Qualitäten zur Schau zu stellen. Möglichkeiten dazu sollte es in absehbarer Zeit ja geben.
Sabine Längle

