Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN / Staatsoper: SIMON BOCCANEGRA

08.03.2012 | Oper

WIEN /Staatsoper: 
SIMON BOCCANEGRA von Giuseppe Verdi
57. Aufführung in dieser Inszenierung
8. März 2012  

Zuletzt hat uns Placido Domingo an seinem Boccanegra-Experiment teilnehmen lassen. In der nunmehrigen Serie dieses nicht übermäßig populären Verdi-Werks (Stehplätze in allen Kategorien vorhanden, an der Stehplatzkasse wurden vor Beginn in großen Mengen Restkarten an Jungvolk in T-Shirts abgegeben) gab es einen russischen Schwerpunkt – Dmitri Hvorostovsky, erstmals in dieser Rolle, Marina Poplavskaya, überhaupt erstmals in Wien, und unser „Boris“ Ferruccio Furlanetto spricht ja bestens Russisch. Stilprobleme mit Verdi gab es allerdings keine, den hatten alle an diesem Abend Beteiligten bestens drauf.

Natürlich auch Dirigent Paolo Carignani, verlässlich, wenn auch eine Spur temperamentlos: Da hätte man sich das Orchester gelegentlich schon als leidenschaftlicheren Mitspieler dieser gemessenen Oper vorstellen können, die in Wien in der „Herumstehen-Version“ des großen Peter Stein nicht sonderlich aufregend wirkt. Da müssten die Sänger einheizen, und so weit kam es auch wieder nicht.

Es ist eine Oper, in der die dunklen Stimmen dominieren – hoch besetzt mit Bariton Dmitri Hvorostovsky als Doge Simon und dem als Fiesco zahllose Male bewährten Ferruccio Furlanetto. Zwei wirklich schöne Stimmen mit – an diesem Abend – leisen Unregelmäßigkeiten, immer wieder klappten Kleinigkeiten nicht. Na, wenn schon. Wenn Furlanetto im letzten Bild geradezu fahl klang, traut man ihm Absicht zu – da ist Fiesco schließlich uralt und fast am Ende. Hvorostovsky wiederholte das von der vorigen Vorstellung berichtete Kunststück, dass ihm beim Sterben auch die Stimme erstarb, nicht… Im übrigen war er ganz sein elegantes, weißhaariges, immer nobles Selbst, vielleicht ein bisschen zu distanziert: Mitgerissen hat er nicht.

Marina Poplavskaya hat seit ihrer eher farblosen Desdemona 2008 bei den Salzburger Festspielen zwischen Covent Garden und Met (und auch fast überall sonst) eine hochkarätige Karriere gemacht. Ganz versteht man es ja nicht, denn die Stimme der 35jährigen ist – das weiß man auch von einigen DVDs – eine unsichere Bank. Wie auch an diesem Abend jene Passagen, die ihr wirklich schön und berührend gelangen, eindeutig in der Minderzahl waren. Im übrigen: viel Blech in der Stimme, Tremolo, Höhenschärfe. Offensichtlich macht sie es in anderen Rollen mit der Persönlichkeit: Die Amelia ist keine Figur, in der man Power entfalten könnte.

Auch der Gabriele Adorno zählt nicht zu den begehrten Verdi-Tenor-Rollen, und dass das Liebespaar hier so deutlich in der zweiten Reihe steht, mag auch zu dem geringeren Popularitätslevel dieses Werks beigetragen haben. Immerhin – dass man aus dem blassen Adorno doch einiges herausholen kann, hat Francesco Meli an diesem Abend eindrucksvoll hören lassen und damit die einzige Leistung gesetzt, die kaum anfechtbar ist – eine starke, gewissermaßen durch und durch gesunde Stimme, die tenoralen Glanz mit Kraft verströmen, aber auch Legato-Passagen überzeugend bewältigen kann. Das klingt nach einer Gegenwart, die große Zukunft haben könnte.

Schließlich hat Marco Caria als Paolo sehr überzeugt, ein Bariton, der hier alles zeigen konnte, stimmlich und darstellerisch nicht am Rande blieb. Dort waren Dan Paul Dumitrescu, Marian Talaba und Juliette Mars, aber das lag an den Rollen.

Das Publikum wirkte zwischendurch nicht eben enthusiasmiert, klatsche aber am Ende heftig.

Renate Wagner 

 

 

Diese Seite drucken