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WIEN/ Staatsoper: SIMON BOCCANEGRA

01.10.2016 | Oper

WIEN/ Staatsoper: SIMON BOCCANEGRA –  30.9.2016

(Heinrich Schramm-Schiessl)

Es ist immer wieder schön, diese wunderbare Inszenierung von Peter Stein zu sehen. Er ist halt der letzte Bühnenmagier, der die Werke ernst nimmt und Respekt vor Dichtern und Komponisten hat.

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Maria Pia Piscitelli, Marco Vratogna, Ramon Vargas, Ildebrando D’Arcangelo. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Die Aufführung selbst war leider etwas durchwachsen, und das lag in erster Linie am Sänger der Titelrolle. Marco Vratogna, anstelle des erkrankten Dimitri Hvorostovski, verfügt zwar über einen kräftigen Bariton, kann aber damit kaum etwa anfangen. Er singt fast alles in der gleichen Lautstärke, wobei man bei den wenigen Pianostellen merkt, warum. Dort trägt die Stimme nämlich nicht. Er phrasiert kaum und verfügt nicht über die grosse Kantilene, die gerade in dieser Rolle so wichtig wäre. Gefühle kommen kaum über die Rampe, sodass zum Beispiel die große Szene mit Amelia, an sich einer der emotionalen Höhepunkte des Werkes, völlig wirkungslos bleibt. Das „figlia“ am Ende war auch viel zu laut. In der darauffolgenden Ratsszene musste man dann seine Grenzen erkennen. Auch die Sterbeszene machte kaum betroffen.

Die beste Leistung des Abends bot Ramon Vargas als Gabriele. Er phrasierte wunderbar und sang mit großer Emotion. Seine Arie war eigentlich der Höhepunkt des Abends und wurde auch mit viel Applaus belohnt. Maria Pia Piscitelli, bisher einspringender Weise als Carlos-Elisabeth und Norma zu hören, begann etwas nervös, sodass die Eingangsarie nicht nach Wunsch gelang. Danach erfing sie sich und bot vor allen Dingen  nach der Pause eine ansprechende Leistung. Sie singt sehr schöne Piani und hatte gute Höhen. Die Mittellage würde man sich etwas breiter wünschen. Die Gestaltung war ebenfalls zufriedenstellend. Ildebrando d’Arcangelo blieb als Fiesco in der Arie zwar einiges schuldig, war aber in den übrigen Szenen sowohl darstellerisch als auch stimmlich überzeugend. Lediglich mit den extremen Tiefen hatte er seine liebe Not. Eine ausgezeichnete Leistung bot Markus Eiche als Paolo. Sowohl von der Darstellung als auch gelanglich gelang es ihm diese Negativfigur eindrucksvoll zum Leben zu erwecken. Dan Paul Dumitrescu war ein verlässlicher Pietro.

Mit dem Dirigenten Evelino Pidó, den ich bei den Belcanto-Opern durchaus schätze, wurde ich an diesem Abend auch nicht wirklich glücklich. Es fehlte ihm der grosse Atem und der grosse Bogen. Er verstand es nicht, die zentralen Themen wirklich zum Klingen zu bringen und blieb meist etwas beiläufig. Dabei war das Orchester durchaus bemüht, seinen schönsten Klang auszupacken. Der Chor bot eine sehr gute Leistung.

Am Ende kein sehr langer Applaus, aber eher undifferenzierter Jubel für die Sänger

Heinrich Schramm-Schiessl

P.S.: Ich bin kein Feind der fortschrittlichen Technik, aber ich frage mich schon, was manche Leute gemacht haben, bevor das Smartphon erfunden wurde. In jeder Umbaupause leuchteten sofort zahlreiche dieser Geräte auf. Ja bitte, hält es niemand mehr 90 Minuten aus, ohne die aktuellen Emails zu kennen.

 

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