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WIEN/ Staatsoper: SIEGFRIED – es darf gelacht werden

30.5. 2026: SIEGFRIED

Es darf gelacht werden

Opern-Steckbrief - Wagners "Der Ring des Nibelungen": "Siegfried" -  Hehrster Held der Welt? | Spielplan | BR-KLASSIK | Bayerischer Rundfunk

Durchaus humorvoll ging es zu, beim vorletzten Siegfried dieser Art. Wagners Werk und Bechtolfs Beitrag machen’s möglich, Andreas Schager tut sein Übriges, damit nicht Langeweile irgendeiner Art aufkommt. Da wird gehämmert und geschmiedet, da wird über den Drachen gestaunt – und diesem gegenüber weit souveräner agiert als dies beispielsweise Tamino im Angesicht der Schlange tut –, da wird die Abneigung Mime gegenüber mit prononciert-pointierter Abscheu zum Ausdruck gebracht, da wird der – sich als solcher nicht zu erkennen gebende – Großvater mittels Feder-(Schwert)-st(r)iches düpiert, alles mit einem „frechen, jungen Blick“. Nur beim Anblick einer Frau, da wird er stumm. Stumm – ein sehr relativer Begriff angesichts der Stimmgewalt des niederösterreichischen Wälsungenhelden. Eine beachtenswerte Leistung wie er nach 5 Stunden Jauchzen und Konverserieren, Umtreiben und Rumtollen, Drachen Besiegen und Zwerge Morden sich mit alles übertönender Attacke in den letzten und fatalsten aller Kämpfe begibt: In den der Liebe. Doch zu diesem Zeitpunkt ist ja noch alles in Ordnung: Die zwei Ungeküssten finden (zu)einander.

Ihm zur Seite eine wunderbare Camilla Nylund als Brünnhilde, die so gar nichts mit vielen ihrer Rollenvorgängerinnen gemeinsam hat. Alles andere als eine Brüll-hilde singt sie mit berührender Differenzierung, silbriger Ausdrucksamplitude und glanzvoller darstellerischer Eleganz eine hingebungsvolle Liebende zwischen Furcht und Hingezogenheit. Der von einem Mime aufgezogene angelernte Schmied ist machtlos angesichts von so viel hingebungsvollem Schöngesang.

Ihr Vater, Michael Volle, gewinnt mit Fortdauer des Bühnenfestspiels als Wotan/Wanderer mehr und mehr an Kraft. Verhalten im Rheingold, resigniert in der Walküre, tritt er im Siegfried noch ein letztes Mal gegen den Machtverlust an und auf. Stark in der Wissenswette, hämisch in der Konfrontation mit Alberich, forsch und unerbittlich mit Erda und mit Siegfried sich ein letztes Mal aufbäumend gegen der Götter und seiner Macht Ende – bis der Speer durch Notung bricht. Nach wie vor wortdeutlich, dem Legatobogen verpflichtet, mit kluger Dosierung, aber auch kraftvoll in der Stimme. Ein autoritärer Gebieter – doch es sind andere Zeiten angebrochen.

Gerhard Siegel als Mime wie sein Ziehsohn mit köstlichem, wenn auch subtilerem Humor gesegnet, zeigt, dass er diesem auch stimmlich gern das Schwert reichen würde. Darstellerisch ein wahrhaft schleimiger und bösartiger Zeck kommt er gesanglich manchmal an des Wohlklangs Grenzen und darüber hinaus.

Georg Nigl, als Alberich ein Schwarzalb aus dem Bilderbuch, packt alle Ekelhaftigkeit in den lieblosesten aller Bösewichte und vermag bei seinem vergleichsweise kurzen Siegfried-Auftritt auch stimmlich zu glänzen.

Wiebke Lehmkuhl zeigt wie schon im Rheingold profund-weiche Alt-Tiefen und autoritäre Präsenz, wenn diese auch inszenierungskonform mumienbekleidet erfolgt. Eine tadellose Leistung.

Weniger profund Matheus França als Fafner, angenehm, wenn auch nicht ganz strahlend Florina Ilie als Waldvogel.

Pablo Heras-Casado überzeugt mit dem blendend disponierten Staatsopernorchester am meisten in den transparenten, konversationslastigen Teilen, behält allerdings immer die Stringenz und gestaltet eine im Aufbau beeindruckende Schlussszene.

Nichtendenwollende leuchtende Liebe des Publikums für alle Beteiligten!

Sabine Längle

 

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