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WIEN/ Staatsoper: SIEGFRIED – der 32 . und LETZTE in dieser Inszenierung

Wiener Staatsoper 10. Jun 2026: SIEGFRIED. Der 32 . und LETZTE in dieser Inszenierung

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Programmzettel von drei „Siegfried-Vorstellungen. Foto: Erwin Messer

Vor rund 18 Jahre, zwischen Ostern – damals sehr früh – und Pfingsten, rund um den 1. Mai hob sich am Sonntag, 27.April 2008 , sicher ganz pünktlich um 17h in der Wiener Staatsoper der Vorhang zu SIEGFRIED, 2. Tag des Bühnenfestspieles RING DES NIBELUNGEN .  Eine  Neuinszenierung von Sven-Eric Bechtolf, dirigiert von Franz Welser-Möst. Ein junger damals 46 Jahre alter Tenor,  Stephen Gould trieb in Glittenbergscher Szenerie und Glittenbergscher Gewandung keinen Bären über die Bühne , sondern  erschreckte nur mit einem großen Schatten   Herwig Pecoraro als Mime. Wer in weiser Vorausplanung für den 10. Juni 2026 in der Staatsoper – nach fast zwei Jahrzehnten – eine Karte für  die Abschiedsvorstellung erstanden hatte, konnte beruhigt feststellen :  die Wände wackeln nicht, Mimes   grell bunter Schlafrock  ist nicht stärker zerschlissen als früher, das Geschirr auf dem Herd glänzt noch immer wie neu , das erlegte Wild, ein Hase ist schon  ein bisschen länger tot , lag im Fundus gut vor den Motten geschützt.

Die Besetzung hat im Laufe der Jahre immer wieder gewechselt. Was im Fall des Titelhelden   vieler weiteren  Vorstellungen vor drei Jahren zu großer Trauer in der gesamten Opernwelt geführt hat, als der in der Zwischenzeit  zum Österreichischen Kammersänger gekürte Heldentenor aus Roanoke in Virginia /USA  ganz  überraschend einer bösen Krankheit erlag. 22 Mal hat Stephen Gould auf dieser Bühne den Jung-Siegfried unter großem Applaus des nationalen und internationalen Publikums gestaltet, seine Schmiedelieder klingen allen, die ihn immer wieder mit großer Begeisterung gehört haben, noch  im Ohr.

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Siegfried in Wien 22 Aufführungen, Götterdämmerung 18!. Stephen Gould und Nina Stemme. Foto Christine Sommer

Die Stars, die mit ihm den Weg des Helden gingen, eroberten einen sicheren Platz im Wagner-Kosmos. Bei der ersten Aufführung waren es Nina Stemme, die das Licht der Sonne begrüßte und der Finne Juha Uusitalo , der als Wanderer den Weg zu ihr erfolglos versperrte .Bei der Premiere von Walküre – noch als Wotan, verließ den Gott vor dem 3. Akt seine Stimmkraft. Direktor Joan Holender holte, so erzählt es die Mär, direkt von einem Wiener Würstelstand den deutschen Bariton Oskar Hillebrandt für die finale große Schlußszene ins Haus . Das Kostüm passte nicht, aber der Beginn des RING-Zyklus war gerettet. Der Opernchef hatte diesen nämlich, sich auf frühere Vorbilder berufend, mit dem 1. Tag des Bühnenfestspiels programmiert, das Vorspiel Rheingold stand dann einerseits am Schluß aber auch am Beginn eines neuen Zyklus. Das hatte  den ökonomischen Vorteil, dass der beliebteste Teil der Tetralogie zum Start öfter programmiert werden konnte, ohne gleich den großen Apparat für einen gesamten Zyklus in Bewegung setzten zu müssen. Sein Nachfolger Dominique Meyer hielt nach seiner Verabschiedung einen Vortrag zum Thema „Richard Wagner an der Wiener Staatsoper „, eingeladen vom  Cercle Richard Wagner Rive droite in Nizza. Auf eine Bemerkung aus österreichischem Munde zur Publikumsakzeptanz  der Wiener Inszenierung antwortete er lakonisch , sie habe ihre Qualität und ließe sich ohne Probleme jährlich in den Jahresspielplan integrieren, ohne das Haus wie es in anderen Städten notwendig ist, für ein halbes Jahr lahmzulegen. So konnte sich in Wien das Publikum fast jedes Jahr über einen , manchmal sogar zwei Ring-Zyklen freuen. – oder ärgern . Das Rheingold brachte es auf 27 Aufführungen, Siegried auf 32, Götterdämmerung auf 31und alle übertrifft Die Walküre mit 37 Abenden.  Wird der Ring im Durchschnitt mit einer Länge von 16 Stunden gerechnet, so waren es 2032 Stunden Musik, die aus dem Graben der Wiener Staatsoper ertönten.  An den großen US-amerikanischen Opernhäusern z.B. gibt es solche Vorstellungen nur alle „Wagner-heiligen“ Zeiten , 2013 zum 200. Geburtstag des Meisters zum Beispiel.

Höhepunkte, je nach Vorliebe des Publikums, waren unter vielen anderen das Dirigat von Christian Thielemann oder Peter Schneider, Franz Welser-Möst leitete einmal das Staatsopernorchester bei so hohen Temperaturen, dass die Musiker in weißen Hemden spielte und er auf die Frage nach seinem Befinden am Bühnenausgang antwortete, an solchen Abenden nehme er drei bis vier Kilo ab.

Der Reigen der Stars unter den Protagonisten auf der Bühne füllt viele Einträge in Wikipedia, nur einer wurde immer wieder schmerzlich vermisst, Bryn Terfel als Wotan. Einer anderen Mär aus der Direktion Meyer zufolge stellte er zu hohe Gagenansprüche, und als er endlich gleich für zwei Zyklen engagiert war, sagte er ab, es war für seine Stimme wohl zu spät.

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Schluss Applaus Siegfried 30.Mai 2026. Foto Ingrid Fiala

Der Wagnertenor aus Österreich, Andreas Schager, hat seine Siegfried-Karriere nicht in Wien gestartet, sondern in Mailand und Berlin. Dafür war er auserwählt, die beiden letzten Abende in dieser Inszenierung zu gestalten. Sein Siegfried am ersten Abend erhielt die besten Kritiken seit langem, der Applaus wollte nicht enden. Alle, die dabei waren, lobten begeistert und steigerten die Erwartungshaltung bei denen, die Karten für den „letzten“ Siegfried hatten. Aber leider, eine Höchstleistung ist nicht jeden Tag abrufbar, nach den Schmiedeliedern bangte das Publikum um den Fortgang des Abends, der aber mit Bravour durchgezogen wurde. Michael Volle und Camilla Nylund als Brünnhilde hielten das Niveau wie erhofft hoch. Wobei am Beginn des dritten Aktes der Wanderer überraschend auf die schon bei der Premiere , in der zweiten Vorstellung am Tag der Arbeit besonders irritierenden Erdarbeiten verzichtete. Er kletterte – etwas mühsam-  aus der Grube , wobei er die Schaufel, mit der er Erda üblicher Weise den Weg aus der Tiefe freischaufeln musste, rasch beiseite legte . Auch nach 18 Jahren gab es Neues zu sehen.

Überraschen ähnlich klingt   auch die Kritik nach der Wiener Erstaufführung, als hätte der Kritikerstar am Ende des 19.Jahrhunderts die Mühen des Startenors zu Beginn des 21. Jahrhunderts vorausgesehen: Anlässlich der Premiere des „Siegfried“ am 9. November 1878 schreibt Eduard Hanslick: „Von den Gesangspartien ist Siegfried die wichtigste, zugleich die anstrengendste Tenorpartie, die je geschrieben wurde. Herr Jäger führte sie in Gesang und Spiel sehr glücklich durch. Durch seine hohe schlanke Gestalt dafür wie geschaffen, versteht er überdies, frei und natürlich zu agieren. Seine Stimme hat wenig Reiz und ist bereits etwas angegriffen, wahrscheinlich infolge des vielen Siegfried-Singens. Desto rühmlicher wirkt Herr Jäger durch Energie des Vortrages und Deutlichkeit der Aussprache.“ Sehr zu hoffen, dass  es für den derzeit auf allen Wagnerbühnen erfolgreichen Sänger  nur eine vorübergehende Schwäche war.

Wenn auch dem Mimen  die Nachwelt keine Kränze flicht, die großen Namen der Opernwelt bleiben zumindest den Wissenden im Gedächtnis . Mit zunehmend moderneren Tonträgern kann es immer wieder neu aufgefrischt werden . Von den ersten Aufführungen gibt es Fotos und Zeitungsberichte. Am 9. November 1878 ertönte Richard Wagners Opus Magnum zum ersten Mal an der Wiener Hofoper mit  Amalie-MaternaFriedrich als Brünnhilde und Ferdinand Jäger als Siegfried wie  schon bei der Uraufführung zwei Jahre zuvor in Bayreuth. Es folgten in Wien 5 Neuinszenierungen, die bisher letzte erlebt am Sonntag, 14. Juni 2026  mit der Götterdämmerung  nicht nur den Dritten sondern auch den  letzten Tag  dieser Inszenierung. Zwei Direktoren hat sie überlebt . Der dritte,  Bogdan Roscic , plant mutig für  das ungebrochene Interesse aller Wagner-Begeisterten und für seinen Platz in den Archiven  eine  neue für 2028.  Dann gilt es das 150 Jahr Jubiläum in Wien zu feiern, das  bereits diesen Sommer in Bayreuth ganz auf dem Stand neuester Technik mit einer KI Produktion stattfindet. Die Salzburger Osterfestspiele waren beim Gedenken an die Uraufführung der gesamten Tetralogie  1876 die  ersten und schickten mit den Berliner Philharmonikern unter der Stabführung von Kirill Petrenko ein neues Rheingold ins Rennen.

In der österreichischen Kultur-Hauptstadt war trotz Sommerwetter bei Hitze und Regen der Andrang des Publikums an allen Tagen enorm . Unter den Touristen einige, die ihren erstenerlebten, unter den „Einheimischen“ viele, die Abschied feiern wollten . Darunter nicht wenige, die mit großem Bangen die Neuinszenierung erwarten und gemeinsam mit den Nornen fragen: weißt du was daraus wird ?

Ulrike Messer-Krol

 

 

 

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