Wien/ Staatsoper
4.5.26, „Salome“, Staatsoper, „Herbe Salome“
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Prinzessin Salome tritt in der Staatsoper wieder an, um ihre Gelüste am Kopf des Jochanaan zu stillen. Mit Lidia Fridman stand ein Shootingstar des gegenwärtigen Opernbetriebs auf der Bühne – und ihre aparte, mit einer gewissen Unnahbarkeit umflorte Erscheinung passte in die Inszenierung von Cyril Teste, die aus dem erotisch-dekadenten „Orientalismus“ eines Richard Strauss ein kühles, traumatagespicktes „Society-Drama“ macht.
Lidia Fridmans internationale Karriere hat laut ihrer Homepage 2019 begonnen. Sie hat unter anderem Lucrezia Borgia, Anna Bolena, Norma, Abigaille, Lady Macbeth, Lina, Amelia, Salome, Wozzeck-Marie gesungen. Fridman bezeichnet sich laut ihrer Homepage als „dramatic bel canto soprano“ und sie scheint dabei weder „dramatic“ noch „belcanto“ auszulassen. Letzte Saison hat sie an der Staatsoper als Norma debütiert – jetzt folgte die Salome.
Fridmans Sopran hat vor allem zwei herausstechende Eigenschaften: eine dunkle, metallische Grundierung, die ihm eine im Höreindruck gewöhnungsbedürftige, wenn auch durchschlagskräftige „Hohlwangigkeit“ verleiht, mit wenig Basis in der schwach fundierten Tiefe – sowie ein inzwischen stark raumgreifendes „Wobble“, das keine kussmund-erotischen Salome-Phantasien beflügelt. Fridmans Salome ist mehr eine recht erwachsen wirkende Salome mit etwas kantigen Zügen und keine die „Décadence“ mit juvenil-lüsterner Skandalerotik auslebende „Kindfrau“. Zudem sollte man sich keine subtile Textausdeutung erwarten, Fridman packt das Publikum vor allem mit ihren herben Expressivität – und dieses ließ sich, wie am Schlussjubel für die Sängerin abzulesen war, davon auch leicht überzeugen…
…Des Herodes mondänes Esszimmer besitzt freilich noch eine Novität: Es liegt aus unerfindlichen Gründen über der Zisterne, in der Jochanaan sein Dasein fristet. Tomasz Konieczny gab wieder einen fanatischen Wüstenprediger, der sich lautstark mit dem Orchester duellierte. Seine Stimme besitzt nach wie vor unglaubliche Kraftreserven – vor allem auch wenn man bedenkt, dass er gerade den Holländer und den Jochanaan in zwei nahezu parallelen Aufführungsserien zu schmettern hat. Eine verführerische Facette ist bei Koniecznys Jochanaan allerdings kaum auszumachen, seine Stimme überzeugt vor allem durch kämpferische Askese.
Gerhard Siegel war ein stimmlich schon leicht grellfärbender Herodes, der hier in einem schwarzen Anzug steckt und dessen schillernde „Neurasthenie“ inszenierungsbedingt zu einer eindimensionalen Täterhistorie umfunktioniert wird…
http://www.operinwien.at/werkverz/strauss/asalome19.htm
Dominik Troger/ www.operinwien.at

