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WIEN/ Staatsoper: SALOME

27.01.2015 | Oper

Wiener Staatsoper: Richard Strauss: SALOME am 27. Jänner 2015

 Immer wieder schön anzusehen ist die Salome-Inszenierung von Boleslaw Barlog mit ihrem herrlichen Jugendstil-Ambiente. Und erfreulicherweise konnte man auch mit der musikalischen Umsetzung mehr als zufrieden sein.

 Die US-Amerikanerin Catherine Naglestad in der Titelrolle begann zunächst recht vorsichtig, legte aber im Laufe der Vorstellung vokal mehr und mehr zu, um letztendlich eine sehr gute Schlussszene zu singen. Gelegentlich machte  sich eine eigenartige Intonation bemerkbar, und man hat schon leidenschaftlichere und ekstatischere Salomes gehört, auch ihr Schleiertanz hätte einen Schuss mehr Erotik vertragen. Aber die Spitzentöne setzte sie sehr gekonnt, niemals verfiel sie in Schreigesang. Das war eine richtig gut gesungene Salome.

 Star des Abends war aber wohl Tomasz Konieczny, dessen ausdrucksstarker und markant timbrierter Bassbariton für die Rolle des Jochanaan wie geschaffen ist. Dieser Prophet verströmte schon rein vokal stimmliches Charisma. Nicht nur bei Er ist in einem Nachen auf dem See bewies Konieczny, dass er nicht nur der Mann für die großen Töne ist, sondern auch die feineren Töne ausgezeichnet beherrscht. Und selbst wenn das Orchester in lautem, klangvollem Rausch schwelgte – was es an diesem Abend besonders intensiv tat – bereitete dies dem polnischen Sänger keinerlei Schwierigkeiten. Sein kräftiger Bassbariton formierte sich mit dem imposanten Orchesterklang zu einer Einheit. Eindrucksvoll! Auch darstellerisch war Konieczny sehr stark. Zum Beispiel als er aus der Zisterne kletterte, und sein Jochanaan erst mal eine Weile brauchte, um wieder ins Licht schauen zu können. Das war alles großartig und eindringlich gespielt.

 Mit dem Herodes hat Herwig Pecoraro eine ideale Partie gefunden. Sein eigenwilliger Charaktertenor verlieh diesem Herrscher sehr viel Profil und der Sänger bot eine eindrucksvolle Charakterstudie. Wenn er Salome lüstern hinterher sah, hing ihm ja förmlich der Geifer aus dem Mund. Amüsant.

Über viel Elan verfügte die eifersüchtige Herodias der Elisabeth Kulman, was dem Herodes ziemlich zu schaffen machte. Kulman sang die Partie mit ihrem kräftigen Mezzo ebenso mit viel Schwung, in ihrer Darstellung neigte sie gerne zur Überzeichnung.

Norbert Ernst war als Narraboth gut besetzt. Bei den fünf Juden war es der Dritte, in Gestalt von James Kryshak, der auch durch sein intensives amüsantes Spiel hervorstach.

 Simone Young sorgte für viel Spannung im Orchestergraben und ließ dabei das Orchester der Wiener Staatsoper laut aufspielen. Sie setzte vorwiegend auf Dramatik, die Sinnlichkeit kam dabei etwas zu kurz. Liebhaber von etwas breiteren Orchesterklängen kamen jedenfalls voll auf ihre Kosten.

 Am Ende des Abends gab es heftigen, wenn auch relativ kurzen Schlussapplaus, bei dem ganz verdient Tomasz Konieczny den größten Jubel einheimste. Bei den Bravo-Rufen für Young mischten sich auch ein paar Buh-Rufe dazu. Wohl nicht jeder mag die Musik der Salome so üppig.

Ein sehr guter Repertoire-Abend.

 Lukas Link

 

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