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WIEN/ Staatsoper: RUSALKA – Romantisches Traumpaar im Eiswald

Wiener Staatsoper: 8.1.2026  RUSALKA

Rusalka (Oper) – Wikipedia

 

Romantisches Traumpaar im Eiswald

2014 hatte Sven-Eric Bechtolfs Produktion um das traurige Schicksal der Wassernixe, die Mensch sein wollte, Premiere an der Staatsoper und ist seither in einigen Serien an das Haus zurückgekehrt. Sie versteht sich zweifelsohne als durchaus konventionell, wenn sie auch die musikalisch vorgegebenen Wasserspiele in eine nicht näher definierte Eislandschaft verlegt und mit einigen etwas befremdlich anmutenden Regiemätzchen garniert, wie beispielsweise der grausam zur Schau getragenen Ermordung des Küchenjungen durch die Hexe Ježibaba samt der nachfolgenden Ausweidung durch die Elfen, die sich an dessen Blut zu ergötzen scheinen. Die Poesie des ewigen Wasserwesenmärchens, in dem Sterbliche durch allzu verliebte Kontaktnahme mit allzu betörenden Nixen in ihr Unglück geführt werden, geht bei dieser Inszenierung gänzlich verloren.

Antonín Dvořáks Musik ist voller elegischer Töne, voller Romantik, voller Traurigkeit, mit vielen prononcierten Cello-Passagen. Dem tschechischen Dirigenten Robert Jindra war nun erstmals an der Staatsoper die Stabführung anvertraut, und er findet sich zunächst in eher langsamen, getragenen Tempi wieder, um im zweiten Akt in einigen dramatischeren Passagen etwas „aufzudrehen“ und die spannungsgeladene Dreiecks-Geschichte zwischen dem Prinzen und den zwei doch sehr unterschiedlichen Damen mit genügend Verve zu unterfüttern. Insgesamt bleibt seine Leistung etwas uneinheitlich, vielleicht fehlt letztlich der Duktus für das große Ganze.

Die in dieser Intendantenära vielbeschäftigte und hoch geschätzte australische Sopranistin Nicole Car debütierte letzten Sommer in ihrer Heimat als Dvořáks traurige Nixe und stellt sie nunmehr dem Wiener Staatsopernpublikum vor. Sie verfügt über einen wahren Prachtsopran mit charakteristischer, vielleicht etwas herber Färbung, der sowohl in den lyrischen Passagen (sehr innig das „Lied an den Mond“) als auch in den dramatischen Szenen gleichermaßen punkten kann. Die Stimme findet in den Spitzentönen zu angenehmer und warmer Weite, darstellerisch betont sie die elegischen, traurigen und hilflosen Aspekte des in die Menschenwelt geratenen Wasserwesens. Die vermeintliche Kühle, die ihr die Fremde Fürstin gemeinsam mit dem untreuen Prinzen attestiert, vermisst man hingegen – zu Recht – sowohl in Spiel als auch in Gesang.

Ihr Prinz ist der vom Wiener Publikum sehr geliebte polnische – mittlerweile ist auch er wie viele seiner bedeutenden Stimmlagenbrüder österreichischer Staatsbürger – Tenor Piotr Beczała. Er stürzte sich in den letzten Jahren vermehrt in heldischere Gewässer (Radamès, Chénier, Manrico), nicht ohne dabei die richtige Stimmfärbung für den doch etwas lyrischer angelegten Prinzen zu verlieren. Anfangs noch etwas zögerlich lässt er bereits am Ende des ersten Aktes mit einigen wohltönenden Spitzentönen aufhorchen und vermittelt auch in den zwei folgenden Akten die Zerrissenheit eines Mannes, der gewohnt ist, alles zu bekommen und nach Gutdünken alles oder nichts zu behalten, um sich dann fatalistisch in sein todbringendes Liebesschicksal zu fügen.

Der russische Bass Alexander Vinogradov ist auf allen großen Bühnen ein gern gesehener Gast. Er verfügt über ein angenehmes, eher belcanteskes Timbre und meistert im Laufe des Abends die stimmlichen Herausforderungen des Wassermanns besser und besser, den er mehr liebevoll-besorgt denn grausam-despotisch darstellt. So gesehen würde er eher in ein märchenhaft-romantisches Regiekonzept und weniger in die Bechtolfsche Eishalle passen.

Einen Sturm im Wasserglas löst Eliška Weissová als Fremde Fürstin aus. Ihre sehr dramatische, unsauber geführte Stimme kennt nur ein Gas, nämlich Vollgas. Subtile Töne und damenhafte Gestaltung sind nicht ihr Metier, sie fegt über ihren Prinzen eher mit Brachialgewalt hinweg, nicht ohne dabei einige scharfe Höhen zu produzieren.

Monika Bohinec ist eine erfreuliche, wenn auch drehbuchgemäß nicht sehr sympathische Hexe und Strippenzieherin Ježibaba, Jusung Gabriel Park ein sehr erfreulicher Heger, seine Duette mit Isabel Signoret (Küchenjunge) sind kleine Kostbarkeiten.

Wunderschöne, beseelte Musik, ein sehr gut disponiertes Orchester und eine Traumbesetzung des „First Couple“ ließen den Melusinen-/Undinen-/Rusalka-Mythos in Kopf und Herz des Publikums (wieder-)erstehen und die nicht eben kongeniale, wenn auch nicht wirklich störende szenische Umsetzung vergessen.

Sabine Längle

 

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