Wiener Staatsoper: 08.01.2026 „Rusalka“

Die 26. Vorstellung dieser Inszenierung (seit 2014) von Dvoraks Meisterwerk bot viel Energie, zum Teil leider auch zu viel davon bei den Ausführenden. Sven Eric Bechtolfs Regie hat sich eingespielt, die karge Bühne im Verein mit ebensolchen Kostümen (Rolf und Alexandra Glittenberg) stört kaum noch jemanden, dazu ist die alte Produktion Otto Schenks schon zu lange in Vergessenheit geraten. Das Märchen mit dem Un-Happy-End berührt wenig. Wäre da nicht Dvoraks wunderbare Musik, die den Zuhörer fesselt, man würde dieses Werk endgültig im Nirvana verräumen. Und gerade da stört es empfindlich, wenn das Orchester unter der Leitung eines für dieses Werk eigentlich prädestinierten Dirigenten (Robert Jindra) zum Teil mit dem Holzhammer arbeitet. Gute lyrische Passagen wechselten mit orkanartigen Ausbrüchen, die nicht notwendig gewesen wären.
Auch auf der Bühne tat sich Lautstarkes: Nicole Car in der Titelrolle hat eine prächtige Stimme, viel Kraft, sichere Intonation und problemlose Höhe, sie überschritt aber doch einige Male die Grenzen, die der Rolle der glücklosen Nixe nun einmal auferlegt sind. Statt Demut Auflehnung, zu viel Temperament für eine schmachtende Liebende. Piotr Beczala war ein nach wie vor konkurrenzloser Prinz. Nach etwas zurückhaltendem Beginn fand er bald zu seiner stimmlichen Hochform, da passte einfach alles, Höhe, Kraft, Lyrik, sichere Rollengestaltung. Eine Meisterleistung.
Das genaue Gegenteil war Eliska Weissova als fremde Fürstin. Ihre Stimme könnte die Antarktis zum Schmelzen bringen. Schneidend scharfe und schrille Höhen waren des Guten zu viel. Der Prinz hätte über die Nicht-Verbindung froh sein können (Gehörverlust wäre unvermeidbar gewesen), wenn er nicht bald danach dahinscheiden hätte müssen. Alexander Vinogradov sang den Wassermann mit großer Intensität, sein beeindruckender Bass setzte sich im Laufe des Abends immer besser in Szene. Monika Bohinec war als Jezibaba deutlich im Nachteil. Obwohl sie die Rolle darstellerisch und stimmlich gut auf die Bühne brachte, war sie der Klanggewalt der anderen Sänger deutlich unterlegen. Sehr gut hingegen Jusung Gabriel Park als Heger und Isabel Signoret als Küchenjunge, sowie auch die drei Elfen, Anna Voshege, Anita Montserrat und Stephanie Maitland.
Ein nicht ganz gelungener Abend fand beim Publikum viel Applaus.
Johannes Maksteiner

