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WIEN/ STAATSOPER: ROMÈO ET JULIETTE – oder „Julia und Romeo“

27.02.2016 | Oper

26.02.2016   Staatsoper:   „Romeo et Juliette“

Wie sich die Zeiten ändern! Bei der Premiere vor 15 Jahren war man ziemlich enttäuscht, Oper ohne Bühnenbild, aber mit einer interessanten Licht-Orgie (Patrick Woodroffe) zu erleben, heute wäre man froh, wenn uns die Bühnenzauberer nichts Schlimmeres anböten!


Marina Rebeka. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Diese Oper lebt, wie wenige andere, hauptsächlich vom berühmtesten Liebespaar aller Zeiten. Wenn dann zwei Sänger aufgeboten werden, die dem Idealbild optisch und akustisch so sehr entsprechen, wie an diesem Abend, kann eigentlich wenig schiefgehen. Die Praxis zeigte aber doch ein paar Schwächen, die nur allzu deutlich zu hören waren. Das begann beim Orchester, das ein wenig behäbig spielte und den Intentionen des Dirigenten Marco Armiliato, der sich um Temperament und Feuer vergeblich bemühte, nicht ausreichend folgte. Damit wurde die Oper zum Kammerspiel, bei dem zu viele lähmend langweilig musizierte Passagen den Gesamteindruck trübten. Auch der Chor konnte allzu oft nicht den gegebenen Einsätzen folgen, da war die Konzentration offensichtlich zu gering. Mit den Darstellern der Nebenrollen konnte man nur mit Einschränkungen zufrieden sein. Alexandru Moisiuc als Frere Laurent bemühte sich, seine raue und kräftige Stimme so gut wie möglich in den Dienst Gounods zu stellen, Rachel Frenkel war als Stephano nicht eben eine Idealbesetzung, wenig zufriedenstellend auch Gabriel Bermudez als Mercutio, Viktor Shevchenko als Le Duc. Marian Talaba als Tybalt war immerhin wirkungsvoll.

Nach so vielem „Aber“ muss eben das Titelpaar die Kastanien aus dem Feuer holen. Das tat Juan Diego Florez als Roméo mit viel Geschick. Er ist natürlich der ideale schmachtende Liebhaber der Opernbühne, Aussehen, Spiel und Gesang sind die idealen Voraussetzungen. Freilich merkt man auch in dieser Rolle, dass die stimmlichen Gegebenheiten außerhalb des Belcanto-Kernrepertoires nicht dieselbe umwerfende Wirkung hat wie eben bei Rossini und Bellini. Er musste, wie schon als Herzog in Rigoletto, doch einiges an Kraft aufwenden, um voll präsent und – nicht nur in seiner großen Arie, die selten so wunderbar lyrisch  gesungen wird – deutlich hörbar zu sein. Kein „Aber“ gibt es bei Marina Rebeka als Julia. Ihr glaubt man das junge Mädchen, das sich rasch in einen Spross der Feindesfamilie verliebt, und auch für und mit ihm stirbt. Ihr schöner, glasklarer Sopran ist erfrischend leicht und hatte mit den Höhen nie Probleme. Ein sympathischer Wirbelwind auf der Bühne sorgte also doch noch dafür, dass man den Abend trotz der viele „Aber“ genießen konnte. 

Johannes Marksteiner 

 

 

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