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WIEN/ Staatsoper: RIGOLETTO -povero Rumetz

31.12.2014 | Oper

Povero Rumetz: Rigoletto, Wiener Staatsoper, 30.12.2014

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3. Akt, die windschiefe Bude. Allzu gut dürften Sparafuciles Geschäfte nicht gehen. Foto: Michael Pöhn/ Wiener Staatsoper

 Unter keinem guten Stern steht die Premierenserie des Rigoletto. Musste schon Simon Keenlyside nach dem 2.Akt der Premiere w.o. geben, so erwischte es auch gestern seinen Ersatz Paolo Rumetz. Vor der Vorstellung ließ er sich ansagen und der Sprecher verkündete dem Publikum, dass Rumetz „die ganze Partie singen werde“. Es ist traurig, dass dieser Sänger, der hörbar krank war, gezwungen wird, die Vorstellung zu retten. Er konnte einem nur leid tun – drei Akte lang kämpfte er um richtige Intonation, hustete immer, wenn andere Sänger am Werk waren. Aus diesem Grund erübrigt sich jede Kritik – man muss ihm dankbar sein, dass er zugegen war. Man kann gespannt sein, wer die nächste Vorstellung singen wird – auf jeden Fall hat sich Rumetz für den gestrigen Abend einen Sonderbonus verdient…

 Piotr Beczala erwischte als Duca auch nicht unbedingt einen guten Abend. Er klang besonders im ersten Akt sehr belegt, forcierte und klang sehr „gequetscht“. Im Laufe der Vorstellung wurde es besser, er blieb aber weit hinter den Erwartungen zurück.

 Eine durchaus achtenswerte Leistung kann man der Gilda, Erin Morley, bescheinigen. Zwar sollte man sich besser an frühere Interpretinnen der Rolle nicht erinnern, aber außer zwei unsauberen Tönen bei „Caro Nome“ war sie gut. Wenn wir bei der Gilda bleiben – es bleibt zu hoffen, dass Hila Fahima, die in dieser Serie den Pagen verkörpert, in den nächsten Monaten noch genügend Stimmvolumen zulegen kann, damit sie die Tochter des Hofnarren auch vokal hinbekommt.

 Die „schöne Tochter der Liebe“ mag zwar schön sein, aber an diesem Abend erwies sich Elena Maximova als Fehlbesetzung. Eine so vom Timbre her unerotische Maddalena muss man auch erst einmal besetzen… Warum diese Sängerin für die Premierenserie engagiert wurde ist eines der Geheimnisse des aktuellen Besetzungsbüros. Den Großteil der Kritik bekommt zwar Direktor Meyer ab, allerdings darf man nicht vergessen, dass ja der ehemalige GMD Welser-Möst die Premiere dirigieren wollte und sicherlich großen Einfluss auf die Besetzung gehabt hat.

 Als Sparafucile gab Ryan Speedo Green eine solide Leistung ab, Sorin Coliban orgelte fast etwas zu gewaltig als Monterone. Donna Ellen, Mihail Dogotari, James Kryshak, Marcus Pelz, Lydia Rathkolb und Ion Tibrea ergänzten in den kleinen Rollen – mit unterschiedlichem Niveau.

 Das Orchester unter Myung-Whun Chung spielte passabel, allerdings hätte ich mir nach Chungs Dirigat im Simon Boccanegra etwas mehr Brillanz erwartet.

 Von vielen Rezensenten wurde die Produktion von Pierre Audi nicht gut aufgenommen. Ich kann mich dem nur bedingt anschließen. Von der Bewegungsregie kann man nichts Innovatives berichten (nachdem ich die TV-Aufzeichnung nicht gesehen habe weiß ich nicht, wie der Rigoletto „im Original“ interpretiert hätte werden sollen). Es war halt das mehr oder minder Gleiche in einem neuen Bühnenbild. Dieses allerdings hat mir im Vergleich zur alten Inszenierung bei weitem besser gefallen – ich habe da eine andere Idee von Ästhetik.

Vom „Schloss“ des Herzogs sieht man nur den Vorhof mit Treppe und schon beschädigte Türen – das Gebäude ist genau so heruntergekommen wie die Moral der Hofgesellschaft – insofern passte das. Warum man das käfigähnliche Haus vom Schnürboden erst herab gleiten lassen muss – okay, das kann man unter „Gag“ führen. Über dem Haus schwebt eine Art schwarze Wolke, die recht gut dazu passt. Für meinen Geschmack gut gelungen ist die Behausung von Sparafucile/Maddalena. Sie erinnert an eine Mischung von Kristallschädel und dem Helm von Darth Vader. Eine durchaus dem Charakter des Platzes entsprechende Umsetzung! Für die Ausstattung zeichnet Christof Hetzer verantwortlich.

 Die Kostüme sind sehr geschmackvoll gehalten. Sparafucile ist anscheinend ein „Gentleman-Mörder“ – er kleidet sich besser als die „Cortigiani“.

 Unterm Strich ein Opernabend, der nicht wirklich befriedigend war. Ich kann mit der Produktion gut leben – und hoffe, in Reprisen eine dem Stück entsprechendere Besetzung anhören zu können. Nur ein paar Tage zuvor besuchte ich in Barcelona eine Aufführung von „Maria Stuarda“ mit einer überragenden Joyce DiDonato, die man leider an der Staatsoper nie hört. Der künstlerische Vergleich Wien – Catalunya erbrachte das gleiche Ergebnis als wenn Rapid gegen den CF Barcelona spielen würde…

 Kurt Vlach

 

 

 

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