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WIEN/ Staatsoper: RIGOLETTO – es blitzten die Sterne

07.06.2017 | Oper

WIEN/ Staatsoper:  „RIGOLETTO“. Es blitzten die Sterne

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Roberto Frontali, Aida Garifullina. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Zumindest auf dem Programmzettel, denn so viele Rollendebuts an der Wiener Staatsoper sind selten gleichzeitig an einem Abend. Sieben Sänger und der Dirigent waren erstmals in diesen Rollen zu hören, ein Sänger überhaupt erstmals in Wien. Es liegt auf der Hand, dass nicht alle dieser Debuts gleich erfolgreich waren.

Um mit dem Positivsten zu beginnen, ist jedenfalls die Gilda der Aida Garifullina zu nennen. Vor der großen Arie agierte sie stimmlich zwar noch etwas vorsichtig, vielleicht auch etwas verunsichert durch den obskuren Auftritt im herabschwebenden Vogelkäfig, aber im Caro nome, das vorzüglich mit blitzsauberen, klaren Koloraturen und perfekten Piani gelang, war der Knoten geplatzt und im Tutte le feste und in der Sterbeszene ließ sie keinerlei Wünsche mehr offen. Nicht so überzeugend war der Herzog des Yosep Kang. Für die Gestaltung einer Partie ist es zwar notwendig, aber nicht hinreichend, Text und Noten sicher zu beherrschen. Auf dieser Basis kann dann die Phrasierung, die dynamische Schattierungen und all die notwendigen Details erarbeitet werden. Sich nur hinzustellen und die „Schlager“ mit Vollgas und effekthaschenden Höhen zu präsentieren, ist etwas wenig. So manche Legatophrase im Piano würden den Herzog wohl verführerischer machen. Dass Roberto Frontali erstmals in Wien den Rigoletto singt, ist eher überraschend, ist er am Haus doch vor 25 Jahren zum ersten Mal aufgetreten. In dieser Zeit brachte er es aber nur auf knapp über 30 Abende. Die Stimme ist naturgemäß nicht mehr die frischeste, aber er gestaltet die Partie stimmlich sehr differenziert und so nimmt man ihm den verzweifelten Vater und wütenden Untertan jederzeit ab. Erstmals in Wien zu hören war Alessandro Guerzoni als Sparafucile. Eine gute Erscheinung, aber ein Sparafucile sollte nicht nur den Dolch gut führen können, sondern auch eine profunde Tiefe haben. Die tiefen F waren aber genausowenig durchschlagskräftig wie der Dolchstoß gegen Gilda, die dann ja noch ziemlich lange singen kann. Er hat zwar diese Wellblechhütte am Mincio von seinen Vorgängern geerbt, aber er hätte wohl dafür sorgen sollen, dass die Tür nicht noch mehr quietscht wie bei seinen Vorgängern. Die übrigen Debutanten waren Rosie Aldridge als unauffällige Giovanna, Orhan Yildiz als schönstimmiger Marullo und Lauren Michelle in der undankbaren Partie des Pagen.

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Margarita Gritskova. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Margarita Gritskova war eine attraktive Maddalena, die im Quartett und im Terzett ihre Tiefe (und nicht nur die) effektvoll in Szene setzte. Sorin Coliban als Monterone hatte im ersten Bild bei seinem Sii maledetti gerade noch einen Ausrutscher vermeiden können, Pavel Kolgatin fiel durch einige schön gesungene Phrasen als Borsa positiv auf, ebenso wie Lydia Rathkolb in dem kurzen Duettino des ersten Bildes. Hans Peter Kammerer war ihr rachsüchtiger, eifersüchtiger Ehemann, der in dieser Inszenierung etwas stärker betont wird als üblich.

Sascha Goetzel am Pult widmete sich eingehend einem lauten Orchesterklang und nahm auf die Bühne nicht immer Rücksicht. Mit dem Tenor schien er einige Auffassungsunterschiede bei den Tempi zu haben, was mehrfach dazu führte, dass Kang halbe Silben verschlucken musste, um wieder mit dem Orchester synchron zu werden. Der von Martin Schebesta einstudierte Herrenchor durfte alle möglichen Positionen des Herumliegens auf der Bühne probieren, was vor allem in der hanebüchenen Entführungsszene immer wieder komisch wirkt. Ein interessantes Detail am Rande: Erst der altersweise Verdi nimmt sich im Falstaff für die Mitternachtsglocke tatsächlich Zeit für zwölf Schläge, im Rigoletto und im Ballo tun es auch sechs Schläge.

Wolfgang Habermann

 

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