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WIEN/ Staatsoper PARSIFAL

21.04.2019 | Oper

Rene Pape (Gurnemanz). Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Wiener Staatsoper: „PARSIFAL „,  21. April 2019, Anmerkungen

Es war insgesamt eine sehr eindrucksvolle, ausgezeichnet besetzte Parsifal-Vorstellung.

Herausragend in Darstellung, Stimme, Musikalität ist Rene Pape als Gurnemanz, der niemals seine weiche, schön gefärbte Stimme forciert, sehr textdeutlich singt.  Faszinierend, wie er in genauer Abstimmung mit dem Orchester musiziert, und so die Stimme an passender Stelle auch bis zum feinsten Piano absenken kann – und dabei immer hörbar und verständlich bleibt.

Eine erstaunlich gute, ja sehr gute Leistung brachte Boaz Daniel als Klingsor, die ihm nach Ende des 2. Aktes berechtigt etliche Bravos einbrachte. Edel der Klang und auch sehr durchschlagskräftig. Ein Klingsor muß nämlich kein wilder Polterer sein, man erinnere sich z. B. an Siegmund Nimsgern und auch Hermann Uhde, die beide vor allem die ganz großen Wagnerpartien sangen.

Elena Zhidkova hat natürlich eine prachtvolle in allen Lagen klangvolle, schöne Stimme und eine strahlende Höhe. Sie ist auch eine blendende Bühnenerscheinung. Manchmal fehlte mir (also mir persönlich) die vollkommene emotionale Durchdringung der Rolle. Bei „und lachte“ sah und hörte man, wie sie das technisch hervorragend machte, der hohe Ton war dann einfach prachtvoll. Aber die Emotion und der Sinn war dabei nicht das Zentrale, so wie es zum Beispiel bei der unvergleichlichen Martha Mödl war.

Simon O’Neill  ist ein stattlicher, starkstimmiger Parsifal. Seine Technik ist aber vor allem auf Durchschlagskraft, weniger auf Farbe und Klangschönheit ausgerichtet. Dabei würde ihm sein Material auch andere Möglichkeiten bieten, wie man zwischendurch bemerken konnte.

Thomas J. Mayer gestaltete einen stimmlich wie darstellerisch berührenden Amfortas

Valery Gergiev, den man nun endlich auch in der Staatsoper erleben konnte, wurde natürlich mit Recht vom Publikum gefeiert. Mit ihm auch der hervorragende Chor und das Staatsopernorchester.

Jetzt kurz zur ohnehin schon unzählige Male beschriebenen Inszenierung.

Der 1. Akt ist nämlich gar nicht schlecht, durchaus eindrucksvoll, wenn sich all die Geistesgrößen des ausgehenden, langen 19.Jahrhunderts um den Gral versammeln, der als kristallenes Gehirn, also Geist, symbolisiert wird. Man könnte denken, Erlösung durch Kunst, Philosophie, Wissenschaft im Gegensatz zu Untergang durch dumpfes Unverständnis.

Dass vor allem im 2. Akt dann vieles nicht so eindrucksvoll war, wurde schon oft beschrieben, genauso wie das unnötige immer größer werdende Gehirn.

Mich persönlich verblüfft immer wieder der Text des Werkes. „Zum Raum wird hier die Zeit“.  Wie jemandem so ein Satz im 19.Jahrhundert einfallen kann, ist doch erstaunlich.

Christoph Karner

 

 

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