– „Otello“ – Wiener Staatsoper- Triumph für Jonas Kaufmann!

Jonas Kaufmann. Foto: Gregor Hohenberg
Giuseppe Verdis fulminantes Meisterwerk „Otello“, das „Dramma Lirico“ in vier Akten mit dem Text von Arrigo Boito nach William Shakespeare, war in luxuriöser Starbesetzung an der Wiener Staatsoper sensationell zu erleben!
In der Inszenierung von Adrian Noble wurde die Handlung in die Zeit um die Jahrhundertwende projiziert. Besonders inszenatorisch herausgearbeitet wurden die Spannungen der lokalen Bevölkerung und der fremden venezianischen Militärmacht vor dem Hintergrund des Kolonialismus. Dick Bird zeichnete für die Bühne und die Kostüme verantwortlich, Basil Twist für die Bühneneffekte und Jean Kalman für das Licht. Große mächtige Chorszenen mit Otello als triumphaler Mittelpunkt in Abwechslung mit intimen, berührenden, minimalistisch gehaltenen Sequenzen als auch intensiven Intrigenspielen, rachedurstigen Monologen und packenden Kampfszenen. Verdis Musik wurde inszenatorisch adäquat repräsentiert.
Das exzellente Orchester der Wiener Staatsoper unter der hochkarätigen musikalischen Leitung von Bertrand de Billy präsentierte das Verdi‘sche Oeuvre mit hochqualitativer Akkuratesse, großer Emotionalität, authentischer verdianischer Verve und mitreißender, vollblütiger Intensität.
Triumphaler Mittelpunkt war Star-Tenor Jonas Kaufmann in der Rolle des Otello!

Jonas Kaufmann. Foto: Gregor Hohenberg
Fulminante Spitzentöne, überragende Präsenz, hochkultivierte Stimmführung, enorme tenorale Strahlkraft, hochintelligente, ökonomische Einteilung dieser mörderischen Tenorpartie, die als eine der anspruchsvollsten Rollen dieses Stimmfachs gilt und von Jonas Kaufmann mit atemberaubender Brillanz und stimmlicher sowie hochmusikalischer Exzellenz bravourös gemeistert wurde! Ein wahrhaft sensationelles Ereignis!
Nicole Car brillierte in der Rolle der Desdemona. Mit schöner, belcantesker, durchschlagskräftiger Stimme und der eindrucksvollen Fähigkeit sämtliche Nuancen dieser Rolle mit musikalischer und stimmlicher Transparenz gebührend erfüllen zu können.
Luca Salsi glänzte als intriganter Jago mit enormer Bühnenpräsenz, stimmlicher Durchschlagskraft und Authentizität sowie beeindruckender musikalischer Akzentuiertheit.
Botond Ódor präsentierte einen überzeugenden Cassio sowie Daria Sushkova in der Rolle der Emilia.
Hervorragend ergänzten Carlos Osuna (Roderigo), Dan Paul Dumitrescu (Lodovico), Leonardo Neiva (Montano), Ferdinand Pfeiffer (Herold), Katharina Billerhart (Bianca).
Großartig und beeindruckend der Chor (Choreinstudierung: Thomas Lang), das Bühnenorchester, der Extrachor, die Opernschule und die Komparserie der Wiener Staatsoper.
Eine grandiose Aufführung von exzeptioneller Exzellenz, die vom Publikum mit langanhaltendem, frenetischem Beifall gebührend gefeiert wurde! Eine Sternstunde!
Marisa Altmann-Althausen

