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WIEN/ Staatsoper: OTELLO. Ende gut – (fast) alles gut

Desdemona musste ersetzt werden

01.07.2019 | Oper


Aleksandrs Antonenko. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

OTELLO: ENDE GUT – (FAST) ALLES GUT (30.6.2019)

Rund um die Abschluss-Vorstellung von Giuseppe Verdi’s „Otello“ brauten sich Gewitterwolken zusammen. Der Sänger der  anspruchsvollen  Titelpartie – der aus Lettland stammende Tenor Aleksandrs Antonenko – war schon bei der Premiere nicht in Bestform; in den Folgevorstellungen gab es einmal eine Entschuldigung, dann saß ein Cover in der Vorstellung und so manche Opernfreunde rechneten diesmal mit einer Absage. Doch es kam ganz anders: der frisch zum Scala-Chef ab 2021 bestellte Dominique Meyer kann vor den Vorhang, verkündete eine akute Erkrankung von Olga Bezsmertna und bekam Sonderapplaus als er mitteilte, dass er die neue Erfolgs-Aida – die Russin Elena Guseva – als Einspringerin verpflichten konnte. Sie saß bereits im Taxi zum Flughafen. Dann erreichte sie der Anruf von Dominique Meyer… Und in der Tat: die Otello-Vorstellung am 30. Juni verfügte über einen besonders gut disponierten Titelhelden, war auch in punkto Orchester der Wiener Staatsoper  mit Myung Whun Chung viel animierter und differenzierter als bei der Premiere am 20.Juni und Elena Guseva kann nun nach ihrem Erfolg als Aida auch auf eine umjubelte Desdemona an der Wiener Staatsoper verweisen.

Schon die Gewitter-Szene zu Beginn war viel weniger „gedroschen“, der neue Jago – der Weißrusse Vladislav Sulimsky – kam mit den musikalischen Forte-Ergüssen besser zurecht, der Auftritt Otellos war wirklich großartig, das Trinklied Jago‘s souverän und nur im Liebesduett am Ende des ersten Aktes stieß Antonenko an seine vokalen und technischen Grenzen. Da war man aber bereits von der neuen Desdemona – die aus Sibirien stammende Sopranistin Elena Guseva – „eingefangen“ worden. War schon die Aida außergewöhnlich, die Desdemona kommt ihren stimmlichen Qualitäten noch mehr entgegen. Die Balance zwischen Dramatik und Lyrik stimmt, die metallische Stimme füllt das Haus, die Piani sind nicht so extrem platziert wie in der Nil-Arie.  Wirklich großartig gelang der zweite Akt: Antonenko in Bestform, Guseva mit schwelgerischem Kinder-Chor (Opernschule der Staatsoper). Und dann Steigerungen, Wutausbrüche und schließlich das Schwurduett: dieser Otello kann mit vielen Sternstunden in Wien – von Atlantow bis Domingo – mithalten. Im 3.und 4. Akt ließ dann die Spannung wieder etwas nach – aber die neue Desdemona entschädigte umso mehr – vor allem im großen Duett und beim „Lied von der Weide“.

Bleiben  noch der ausgezeichnete Cassio des Chinesen Jinxu Xiauhou und die Prachtstimme des Koreaners Jongmin Park als Lodovico zu erwähnen. Die beiden gehören wohl zu den wichtigsten Entdeckungen von Dominique Meyer. Positiv fielen ebenfalls auf: Leonardo Navarro als Rodrigo, Manuel Walser als Montano sowie Margarita Gritskova als Luxus-Emilia. Grandios wieder die  Szenen des Chores der Wiener Staatsoper(Leitung Thomas Lang) Die Inszenierung von Adrian Noble (Ausstattung Dick Bird) ist „praktikabel“ aber in vielen Details absurd.

Den Ausschlag gibt aber ohnedies die Musik. Deshalb für den Saison-Ausklang 2019: Ende gut – (fast) alles gut.

Peter Dusek

 

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