Wiener Staatsoper 9.1.26 „MANON“, „Tenorales Glanzlicht“

In der ersten von vier angesetzten „Manon“-Vorstellungen brillierte Benjamin Bernheim als Des Grieux in einem sonst gesanglich mäßigen Umfeld, das auch die Sängerin der Titelpartie einschloss.
Aber vielleicht lag es auch an den paar Zentimetern Neuschnee, die Wien vormittags in weiße Pracht gehüllt haben. Schließlich wird das bisschen Schnee heutzutage medial schon zum „tiefsten Winter“ aufgeblasen. Das Orchester begann jedenfalls etwas lieblos Massenets Gefühlsregungen nachzuspüren und Bertrand de Billy am Pult ist ohnehin ein mehr am dramatischen Fluss ausgerichteter Pragmatiker, der bereits in der Vergangenheit „Manon“ eher nicht mit feinem Charme zum Leben erweckt hat. Dafür gelingt es ihm dann doch meist, die Spannung zu halten, obwohl an diesem Abend so manche Länge abseits tenoraler Glanzlichter doch deutlich zu spüren war.
In der Titelpartie suchte Kristina Mkhitaryan im Spiel jene kokett-erotische Manon, die schmuck- und vergnügungsfreudig die erste Chance ergreift, um ihrem Cousin und dem angedrohten Klosterschicksal zu entfliehen – ihr Sopran vermittelte aber zu wenig davon….
…Die Produktion stammt aus dem Jahr 2007, damals mit Anna Netrebko in der Titelpartie – und das markiert zugleich den Höhepunkt an Aufmerksamkeit, der dieser Staatsopern-„Manon“ in den fast zwanzig Jahren ihrer Repertoireexistenz zu Teil geworden ist. Für die Folgevorstellungen (vor allem am 14.1. und 17.1.) sind laut Online-Verkauf noch ausreichend Karten erhältlich. Vielleicht ist das ein guter Grund, Benjamin Bernheim nicht zu versäumen? Der Schlussapplaus war nach rund sechs Minuten vorbei, hat vor allem Manon und Des Grieux gegolten.
http://www.operinwien.at/werkverz/massenet/amanon10.htm
Dominik Troger www.operinwien.at

