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WÌEN/ Staatsoper: MANON – Viele Proben machen diese Inszenierung auch nicht besser!

26.02.2016 | Oper

WIEN/ Staatsoper: „MANON“ am 25.2.2016

 Gut proben macht diese Inszenierung nicht besser.


Boaz Daniel (Lescaut). Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Das zeitversetzte Geschehen dieses vertonten Romans ist keine sehr gute Lösung für die Geschichte. Wenn heute so eine „Landpomeranze“ in die Stadt kommt, dann von sich aus und nicht, um in ein Kloster abgeschoben zu werden. Dem entzieht sie sich ja sofort mit ihrer ersten Liebe oder Verliebtheit, und fällt auf weitere Menschen herein, die es nicht so gut meinen, so etwas wird es immer geben. Nun kommt sie mit der Bahn und nicht mit der Kutsche. Das Bühnenbild des Bahnhofs ist nicht nur unschön, sondern auch wenig praktisch für diverse Auf- und abtritte. Statt Chor auf der Bühne werden Pappfiguren, auch in weiteren Bildern aufgestellt, sodass die Nutten im 3. Bild diese anbaggern statt echter Menschen. All das wirkte für viele Darsteller im ersten Teil lähmend. Auch musikalisch. Nach der Pause lief dann auch musikalisch einiges besser.

In der Titelrolle Diana Damrau, der man das einfältige Landkind voll abnimmt, das spätere Luder schon etwas weniger. Sie ist eine perfekte Sängerin, die auch ihre stimmlichen Schwächen in der Mittellage voll in den Griff bekommt, aber die Leidenschaft, die Lebensgier der Manon kommt nicht rüber. Ihr, ihr vollkommen verfallener Chevalier Rene Des Grieux ist Ramon Vargas. Nach etwas unsicheren ersten Teil griff er nach der Pause voll zum Stil der italienischen Kantilene und konnte ab da überzeugen. Die Szene in St. Sulpice gelang ganz hervorragend. Sein gestrenger. tief verletzter Vater Graf Des Grieux wurde von Dan Paul Dumitrescu mit Samtstimme vorgetragen. Die „miese Partie“ angeführt von Brüderchen Lescaut./ Boaz Daniel sang dieses verkommene spielsüchtige Individuum mit fast zu edler Stimme. Gar nicht edel und super gut war Thomas Ebenstein als Guillot de Morfontaine. Wenig Profil gab Mihail Dogotari für den grauslichen Bretigny. Die drei Gespielinnen dieser Herren waren Hila Fahima, Ulrike Helzel und Miriam Albano als Pousette, Javotte und Rosette. und klangen harmonisch und schön

Am Pult werkte Frederic Chaslin mit zu wenig Charme des Franzosen, eher derber auf Nummer sicher unterwegs.

Der Chor unter Thomas Lang machte brav Dienst und sang schön aus dem Orchestergraben in Kostüm und Maske. Ihre Solisten auf der Bühne machten ihre Sache sehr gut.

Das zum Teil sehr unruhige Abo-Publikum beruhigte sein Gewäsch während der Musik erst dann, wenn wirklich gesungen wurde, so hörte ich während des Vorspiels zu St. Sulpice aus der Nebenloge „das ist aber eine angenehme Musik“. Ich wollte schon was Böses rüberzischen, dann erklang zum glück schon der Chor der „Kirchenmäuse“.

Man weint heute noch der traumhaft schönen Ponnelle Inszenierung nach, allen, nicht nur dem Puppenspieler im 3. Bild, vielleicht auch zum Teil der Besetzung mit Aragall und Pilou , der Optik des ganzen aber auf alle Fälle. Musste ja dringend weg und durch neuen Schwachsinn ersetzt werden. Genau das gilt auch für die Puccini-Version!          

Elena Habermann  

 

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