Wiener Staatsoper/ 5.12.2025- „Madama Butterfly“–
„Eines schönen Tages werden wir sehen“

Noch bevor die aufwühlende und mitreißende Musik von Giacomo Puccinis Meisterwerk „Madama Butterfly“, der „Tragedia Giapponese“ mit dem Text von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica, im Haus am Ring eindrucksvoll erklang, eröffnete die japanische Solotänzerin Ayano Honda, in der Form des traditionellen, japanischen Kabuki-Theaters, bei vollkommener Stille und dem Licht ausschließlich auf sie gerichtet, rundherum absolute Dunkelheit, faszinierend das fernöstliche Operndrama, in dem zwei unterschiedliche Welten und Kulturen, schonungslos, mit tödlichem Ausgang, aufeinanderprallen.
Die prachtvolle, ideenreiche Inszenierung von Anthony Minghella ist geprägt von der japanischen Kultur und den damit verbundenen Traditionen, in denen die junge Cio-Cio-San verhaftet ist, die für einen Europäer mit dem Weltbild von Pinkerton nicht zu begreifen ist. Eine kostbare Ausstattung mit herrlichen, farbenfrohen Kimonos, traditionellen Frisuren, Blumenarrangements, Girlanden…repräsentieren optisch eine „Märchenwelt“. Für die Kostüme zeichnete Han Feng verantwortlich, für die Bühne Michael Levine und für das Licht Peter Mumford. Das hervorragende Solistenensemble wurde beeindruckend unterstützt von der Tanzkompanie Madama Butterfly mit den Solotänzern Ayano Honda und Andrew Robinson (Regie und Choreographie: Carolyn Choa) sowie den Puppenspielern Eugenijus Slavinskas, Max Konrad, Emil Kohlmeier und Christian Pfütze (Puppendesign und-regie: Blind Summit Theatre Mark Down & Nick Barnes), die Cio-Cio-Sans Sohn zu authentischem Leben erweckten.
Das exzellente Orchester der Wiener Staatsoper unter der stringent ausladenden, musikalischen Leitung von Giampaolo Bisanti zelebrierte Puccinis brillante, eruptive Klangwelten mit enormer Intensität, sensitiver Wucht sowie temperamentvoller Akkuratesse.
Eleonora Buratto feierte ihr umjubeltes Rollendebüt als Cio-Cio-San an der Wiener Staatsoper. Geprägt von exemplarischer Durchhaltekraft, stimmtechnischer Perfektion, Intensität sowie hingebungsvoller Rollenidentifikation brillierte sie als überragende sowie authentische Bühnenpersönlichkeit. Daria Sushkova war ihr in der Rolle der Suzuki eine souveräne, präsente und verlässliche Dienerin. Als Kate Pinkerton ließ Ana Garotic (Rollendebüt an der Wiener Staatsoper) aufhorchen. Luciano Ganci (Rollendebüt an der Wiener Staatsoper) glänzte mit profundem, höhensicherem Tenor, Präsenz sowie eindrucksvoller Homogenität in den Duetten mit Eleonora Buratto. Imponierend und markant war Leonardo Neiva (Rollendebüt an der Wiener Staatsoper) in der Rolle des Sharpless. Sehr gut ergänzend und enorm verlässlich Matthäus Schmidlechner (Goro), Alex Ilvakhin (Fürst Yamadori), Matheus Franca (Onkel Bonze; Rollendebüt an der Wiener Staatsoper), Andrei Maksimov (Der Kaiserliche Kommissär), Oleg Zalytskiy (Der Standesbeamte), Daniel Lökös (Yakusidé), Anna Charim (Mutter Cio-Cio-Sans), Kaya Maria Last (Tante Cio-Cio-Sans), Laura Jean Elligsen (Cousine Cio-Cio-Sans).
Ausgezeichnet der Chor (Choreinstudierung: Martin Schebesta) und das Bühnenorchester der Wiener Staatsoper.
Eine herrliche, zutiefst berührende und beeindruckende Aufführung auf höchstem Niveau an der Wiener Staatsoper!
Marisa Altmann-Althausen

