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WIEN/ Staatsoper: MACBETH – zweite Vorstellung

29.10.2019 | Oper


Placido Domingo als „Macbeth“. Foto: Wiener Staatsoper

WIEN/ Staatsoper:  MACBETH am 28.10.2019

Endlich wieder eine der seltenen Sternstunden der Oper, und das trotz einer bekannt sinnarmen Inszenierung Christian Räths. Niemand außer ihm wird wissen, warum man die Handlung nach Bananistan verlegt hat, Schottland war wohl nicht originell genug. Ärgerlich das dominante Grau, die Uniformen, und vieles mehr. Da bedarf es schon außergewöhnlich robuster Protagonisten, um dennoch eine glaubwürdige Darstellung des blutigen Dramas auf die Bühne zu bringen.

Und davon gab es einige. Tatiana Serjan war eine sehr resolute, aber nicht zu dominante Lady, die ihrem Gatten sozusagen „die Mauer machte“, nachdem Blut vergossen wurde. Stimmlich hat sie seit dem ersten Auftreten in dieser Rolle im Frühjahr sehr gewonnen. Ihr kräftiger Sopran verleitet wohl zu heftigen Spitzentönen, die man als schrill bezeichnen könnte. An diesem Abend drosselte sie ihre Stimme – vor allem in der Höhe – und fand vor allem in ihrer Wahnsinnsarie zu einer sehr differenzierten und berührenden Gesangslinie. Ryan Speedo Green sang den Banquo mit seiner bekannt rauen Stimme, die aber gerade in dieser Partie sehr gut passte. Jinxu Xiahou war als Macduff wieder sehr erfolgreich, sein frischer, durchschlagskräftiger Tenor könnte auch in größeren Rollen reüssieren. Carlos Osuna war als Malcolm eine gute Besetzung.

Der unbestrittene Star des Abends war Placido Domingo in seiner derzeit wohl besten Rolle, dem Macbeth. Vom ersten Ton an fesselte der Ausnahmekünstler das Publikum mit seiner – es gibt leider keine originellere Bezeichnung – immer noch unvergleichlichen Stimme. Da war Kraft, glaubwürdiges Spiel, höchste Musikalität, seine große Routine bei heiklen Passagen musste er nicht unter Beweis stellen, es gab einfach keine Schwächen. Der Höhepunkt war natürlich seine große Arie „Pieta, rispetto, amore“ im letzten Akt. So schön hat man das schon lange nicht gehört.

Ausgezeichnet war auch das Orchester disponiert, unter der sehr kompetenten Leitung von Giampaolo Bisanti, man war erfolgreich darauf bedacht, Lautstärke und Tempo in Grenzen zu halten. Auch der Chor, dem in diesem Werk eine äußerst wichtige Rolle zukommt, war in Bestform.

Das Publikum jubelte den Ausführenden nahezu endlos zu, den meisten Applaus erntete verdientermaßen Placido Domingo. Wie oft wird man ihn wohl noch hören dürfen?  

Johannes Marksteiner


Gedränge beim Bühnenausgang. Foto: Klaus Billand

 

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