Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN/ Staatsoper: MACBETH. The play“ – Raben-schwarz

4.10.2026 Staatsoper Macbeth
„The play“ – Raben-schwarz

Verdis "Macbeth" 1865 - Opera Lounge

Aber das nur szenisch. Im Grunde bemerkenswert, wie extrem reduziert und konzentriert Barry Kosky Verdis erste Shakespeare-Vertonung auf die Bühne bringt. Der Chor bleibt fast immer unsichtbar, die üblichen Barry-Nackten sind als Hexen mal nicht völlig fehl am Platz. Die Bühne gehört fast nur Macbeth und der Lady, gerade noch Banquo bleibt gezeigt, Macduff steht selten im Licht. Alles in allem keine grandiose, aber eine diskutable Produktion – von Anfang an schwarz in schwarz, am Ende mit (vermutlich) ferngesteuerten schwarzen Raben.

Was der Dirigent ausmacht, zeigt sich hier besonders deutlich, schon gar verglichen mit Morandis inferiorem Don Carlo Anfang September: Francesco Ivan Ciampa führt das Staatsopernorchester klug, nie knallig, immer akzentuiert, durchgehend spannend, eins mit den Sängern. Besonders die Bläser steuern wieder einmal hinreißende Soli bei (für alle: Schütz, Breit, Plank, Dervaux, Ottensamer), anders als das Konzertmeisterpult (Saadi, Froschauer) nicht schon zu Mittag mit der 8. Bruckner gefordert. Aber auch der Chor hat einen herausragenden Abend.

Das Europadebüt als Macbeth zeigt Etienne Dupuis in großer Form. Er führt nicht eine besonders große Stimme vor, sondern ein schlankes, ausdrucksvolles Organ: Macbeth ist ein Getriebener, mehr reagierend als agierend und Dupuis erfüllt diese Interpretation eindringlich. Dominiert wird er – stückgemäß – von der Lady. Wäre sie nicht in voriger Saison eingesprungen, wäre dies ihr Staatsoperndebüt gewesen. Anastasia, l’altra Bartoli (ma figlia d’altra Cecilia [Gasdia]), verfügt über eine große, hervorragend geführte Stimme mit Tophöhen ohne Schärfe und gestaltet perfekt in einer Optik, die wie eine junge Morticia Addams wirkt – kein übler Ansatz für die Lady. Bitte auch mal Abigaile, Manon Lescaut und manches andere …

Alexander Vinogradov ist ein sehr, sehr gut singender Bassist mit einer etwas trockener Stimme ohne melodischen Überfluss; als Banquo darf er hier nicht viel Aktion zeigen. Najmiddin Mavlyanov drückt gewaltig auf seinen (nicht eben edel-)metallischen Tenor als Macduff, Carlos Osuna ergänzt brav als Malcolm. Ohne besondere Gelegenheit aufzufallen, erfüllt Anna Bondarenko ihre Aufgabe als Kammerfrau verlässlich wie stets und Bo Wang, neu im Opernstudio, zeigt als Arzt einen feinen Bass, aus dem etwas werden kann.

Repertoire? Schon, aber so, wie es sein soll.

Robert Fucik

 

Diese Seite drucken