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WIEN/ Staatsoper: MACBETH

15.05.2019 | Oper


Ferruccio Furlanetto (Banquo).  Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

WIENER STAATSOPER: MACBETH am 14.8.2019

Die ziemlich misslungene Produktion – Regie: Christian Räth, Ausstattung: Gary McCann – kann in keiner Phase erklären, worum es bei dieser Oper geht. Königsmord im alten Schottland ist passee, da müssen ranghohe Offiziere in Phantasieuniformen in einer beliebigen Militärdiktatur der Gegenwart herhalten, um Texte von sich zu geben, die nun einmal aus einer anderen Zeit stammen. Diese radikalen Brüche mit herkömmlichen Werken sind offensichtlich auf längere Zeit unausrottbar. Zum Glück wagen Regisseure noch nicht, die musikalische Seite anzutasten, womit wenigstens teilweise große Oper stattfinden kann. An diesem Abend ist das großteils gelungen.

Das großartig spielende Orchester war bei James Conlon in besten Händen. Auch der Chor bot eine ausgezeichnete Leistung, bei dieser Oper ein wesentlicher Faktor. George Petean sang den Macbeth mit samtweicher Stimme, fast zu lyrisch, ab dem Bankett aber auch mit der nötigen Durchschlagskraft. Er spielte den von seiner Frau angestachelten Weichling sehr treffend. Die Lady war bei Tatjana Serjan nicht in besten Händen. Man hatte vor allem im ersten Akt das Gefühl, dass sie in der aktuellen Produktion ein Fremdkörper sei. Viele Einsätze kamen spät, viele Intonationsschwächen trübten den Eindruck, wenngleich sie mit totalem Stimmeinsatz zu retten versuchte, was zu retten war.

Der Turm in der Schlacht war Ferruccio Furlanetto als Banquo. Zwei Tage vor seinem unglaublichen Siebziger sang er die Rolle des – leider viel zu früh Ermordeten – mit Bravour und dem genau richtigen Gefühl für Dramatik und Kraft, seine enorme Bühnenpräsenz muss nicht eigens erwähnt werden. Als Macduff konnte man mit Jinxu Xiahou eine frische, gut geführte Stimme hören. Lukhanyo Moyake war als Malcolm nicht der Glänzendsten einer.

Irgendwo war an diesem Abend der zündende Funke abhandengekommen, das Publikum sparte beim Applaus gehörig.

Johannes Marksteiner

 

 

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